DLD München: Fünf Trends der digitalen Zukunft

Auf der diesjährigen Zukunftskonferenz Digital Life Design München (DLD) wurden erneut die aktuellen und zukünftigen Technologietrends diskutiert.

Mit dem Weltwirtschaftsforum im Rücken wurden auf der von Hubert Burda Media veranstalteten DLD (Digital Life Design) in München unter dem Motto „What’s the plan?“ Pläne für die mögliche Gestaltung des digitalen Wandels skizziert. Die insgesamt zwölfte Ausgabe konnte auch diesmal mit einem hochkarätigen Line-up an Speakern aufwarten.

Neben dem Microsoft-Chef Satya Nadella waren Airbus-Chef Tom ­Enders, der Autor („Age of Discovery“) und Ökonom Ian Goldin, Nest-Gründer Matt Rogers und viele weitere Vordenker, Experten und Entscheidungsträger anwesend. Ein Ticket kostet rund 3.000 Euro, die Teilnehmer sind jedes Jahr ausschließlich geladene Gäste. HORIZONT skizziert die wichtigsten Trends zum Thema Innovation.

1. Autonomes Fahren

In München zeigte sich Klaus Fröhlich, Entwicklungsvorstand bei BMW, hinsichtlich einer Zukunft mit selbstfahrenden Autos zuversichtlich: In vier Jahren soll es bereits so weit sein, dass Autos von intelligenten Systemen gesteuert werden.

Denn: BMW arbeitet aktuell gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Intel und dem israelischen Kameraspezialisten Mobileye an der Zukunft des autonomen Fahrens. Fröhlich betonte in einer Diskussionsrunde der DLD mit Brian Krzanich, Intel-CEO, und Mobileye-Gründer Amnon Shashua, dass es wichtig sei, schnell zu sein sowie Kooperationen mit Partnern einzugehen.

„In den kommenden Jahren wird sich die Autoindustrie stärker verändern als in den vergangenen 30 Jahren. Autonomes Fahren ist ein Game Changer und für uns wie ein Flug zum Mars“, sagte Fröhlich. Die Automobil-Branche wird künftig vor großen Herausforderungen stehen. Amnon Schaschua glaubt, dass es künftig striktere Vorgaben für den Straßenverkehr geben wird, ähnlich wie aktuell in der Luftfahrt, die Fehlertoleranzvon uns Menschen gegenübereinem Computer sei zu gering.

Die eingebauten Sensoren in einem autonomen Fahrzeug und die dadurch erzeugte Datenflut erschaffen für Intel auch ein neues Geschäftsfeld. „Eine Million selbstfahrender Autos wird so viele Daten erzeugen wie die Hälfte der Weltbevölkerung“, erklärte der Intel-CEO.

2. Roboter-Piloten

Theoretisch könnteautonomes Fliegen schneller umgesetzt werden als autonomes Fahren, denn immerhin muss dabei weniger Rücksicht auf etwaige Infrastruktur genommen werden. Pläne dazu skizzierte Airbus-Chef Tom Enders auf der DLD: Der weltweit größte Helikopter-Hersteller wird im Silicon Valley noch heuer ein Demo-Vehikel in Betrieb nehmen, das ohne Pilot fliegt – vorerst nur für den Transport von Waren.

Beim Transport von Menschen geht es noch darum, den Fluggästen entsprechende Ängste zu nehmen, obwohl die Roboter-Piloten gegenüber den menschlichen Pendants einen weiteren Vorteil haben: Sie streiken nicht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr kennt die Thematik der Pilotenstreiks aus seinem Arbeitsalltag; er glaubt aber, dass die Digitalisierung in der Luftfahrt nicht so schnell greift wie in anderen Branchen: „Die Computer in unseren Flugzeugen sind 20 Jahre alt, aber sie funktionieren“, sagt er.

In der Fliegerei benötigt es verlässliche Lösungen, die durchgehend fehlerfrei arbeiten. Neuigkeiten des digitalen Wandels kann aber auch Spohr verkünden: Ab nächster Woche wird WLAN auf jedem Kurzstreckenflug der Lufthansa angeboten.

3. Fake News

Die wachsende Bedeutung von Social-Media-Plattformen in Zeiten der Digitalisierung verändert das Produzieren von Medien wie auch deren Konsum. Fake News oder Falschnachrichten haben in der Vergangenheit für viele Diskussionen gesorgt.

Für Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, waren gefälschte Nachrichten immer schon präsent: „Seit es Journalismus gibt, gibt es Fake News.“ Er diskutierte mit Paul-Bernhard ­Kallen, Vorstandsvorsitzender bei Hubert Burda Media, über die Zukunft eines modernen Medienhauses und darüber, welche Verantwortung Plattformen wie Facebook bei der Verbreitung von Fake News tragen.

Die Debatte zeigte, wie wichtig eine vertrauenswürdige Quelle für Leser ist. Insbesondere Döpfner sieht die inhaltliche Verantwortung doch eher bei den Verlagen: „Verlage sind dafür verantwortlich, dass die Wahrheit berichtet wird, Facebook verteilt sie nur.“ Das soll jedoch nicht heißen, dass für eine Plattform wie Facebook alles erlaubt sei.

„Die Inhalte werden von Nutzern erstellt. Wenn Nutzer etwas Illegales verbreiten, muss Facebook das natürlich löschen, aber Facebook muss die Inhalte seiner Nutzer nicht kuratieren“, so Döpfner.

4. Smartes Leben

Das Leben wird immer vernetzter, auch das traute Heim. Ein prominenter Anbieter dieser Lösung ist Nest, ein Start-up, das von Google für 3,2 Milliarden Euro gekauft wurde. Nun verkündete Nest-Gründer Matt ­Rogers auf der DLD, dass die smarten Thermostate aus den USA auch in ausgewählteneuropäischen Ländern verfügbar sein werden, darunter Österreich.

Durch diverse Sensoren können die Thermostate unterschiedliche Arten von Rauch unterscheiden, außerdem können sie mit dem Smartphone gesteuert werden. Nest verspricht dabei höchste Datensicherheit.Lea Tarnowski, COO der Mobil-Identifizierungsfirma Avron, sieht diese Sache durchaus skeptischer: Je mehr unserer Geräte online gehen, umso verwundbarer werden wir, warnt sie.

Da alles smarter wird, brauchen wir also auch „smart security“, sagt Gabi Dreo Rodosek: Wichtig dafür ist, dass das Thema für den User attraktiv ist und nicht als Lästigkeit empfunden wird. Einer ihrer Vorschläge ist, smarte Assistenten am Markt anzubieten, die wiederum regeln, welche Daten für welche Dienstenotwendig sind.

5. Handelsrevolution

Scott Galloway, Professor an der New York University, stellte in seinem Vortrag „2017: Winners and Losers“ dem Onlineversand-Riesen Amazoneinen Siegeszug für das Jahr 2017 in Aussicht. Laut Galloway werde Amazon nämlich immer größer und klüger und wisse bald besser, was seine Kunden wollen, als diese selbst.

Galloway führte an, dass Amazon künftig jedem seiner Kunden jeweils zwei Pakete pro Woche zustellen werde. Eines davon mit aktiv bestellten Produkten, das andere mit Vorschlägen seitens Amazon, wobei dieses jederzeit zurückgesendet werden kann. Ein Modell, welches als überaus zukunftsfähig von Galloway eingestuft wird.

Der US-Professor geht davon aus, dass Amazon bald die wertvollste Firma der Welt sein würde.Dies führt unumgänglich zuVeränderungen im Online- und Einzelhandel. Es gibt zwar mit Amazon einen Gewinner, jedoch auch zahlreiche Verlierer. Denn eines steht fest: Wächst Amazon, schrumpfen andere. Die Handelsbranche wird sich 2017 sicherlich mit etlichen technischen und logistischen Herausforderungen auseinandersetzen müssen, insbesondere der Einzelhandel.

Interessant: Als Verlierer prophezeite Scott Galloway den Tech-Konzern Apple, der sich aktuell in seiner „Midlife Crisis“ befinde.

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