Digitale Magazine für das Wartezimmer

Über moderne Technologien ist es möglich, in Wartezimmern Magazine direkt auf den Tablet-PC des Kunden zu pushen. Deutsche und heimische Verlage sind mit an Bord.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 01-02/2017 vom 13. Jänner. Hier geht's zum Abo.

Im Wartezimmer beim Arzt, im Café oder beim Friseur die aktuelle Ausgabe eines Magazins auf dem Tablet-PC lesen, anstatt in abgegriffenen alten Papierheften zu blättern – das wird durch die Kombination verschiedener Technologien, darunter Beacons, ermöglicht. Betritt ein Kunde einen vordefinierten Ort, wird ihm auf einer passenden App der Zugang zum Magazin freigeschaltet und er kann das E-Paper via 3G-Verbindung oder WLAN herunterladen. Für den Endkunden ist das kostenlos, der Betreiber der Location zahlt eine monatliche Pauschale – ein digitaler Lesezirkel also. 

Bald für steirische Ärzte

In Deutschland gibt es bereits mehrere Anbieter mit Namen wie sharemagazines, bluebulletin und mediaspot, die digitale Lesezirkel betreiben; in Österreich ist das Start-up zcircle vor allem in der Steiermark aktiv. Dort kooperieren die Gründer mit dem Styria Verlag als Vertriebspartner, der Content kommt auch von anderen Verlagen, darunter die VGN, Der Spiegel und Red Bull. Laut Geschäftsführer Stefan Unger sind derzeit rund 35 Titel verfügbar, circa 120 Locations nehmen an dem Programm teil, darunter auch der Flughafen Graz, wo sich die Passagiere die Wartezeit mit digitalen Magazinen versüßen.

Von der Ärztekammer Steiermark heißt es, dass man sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit zcircle befindet und die Lösungen dann den Mitgliedern der Kammer anbieten will: Dann könnte man schon bald in den Wartezimmern steirischer Arztpraxen digitale Magazine lesen.

Morawa startet jetzt den Sales-Aktivitäten

Die Morawa Lesezirkel GmbH möchte dieses Feld freilich nicht den Newcomern überlassen und testet seit Oktober eine Lösung namens „RED by Morawa“ an derzeit rund 200 Locations, im Jänner sollen nun die Sales-Aktivitäten aktiv beginnen. In punkto Preis soll sich das Angebot für eine mittelgroße Location zwischen 29,90 Euro und 39,90 Euro pro Monat bewegen.

Morawa macht dabei jedoch einiges anders als zcircle und die deutschen Anbieter. Zum Beispiel sind hier neben Magazinen und Tageszeitungen auch Leseproben von bei Morawa erhältlichen E-Books verfügbar: Verlässt der Kunde die Location, kann er das Buch im Morawa-Onlineshop kaufen. Das führte das Unternehmen jedoch auch schon in eine seltsame Situation: Für Amazons Kindle Fire wurde die App nicht zugelassen - im Buchhandel sind Morawa und Amazon Konkurrenten. 

Ein anderes Unikum von Morawa ist, dass das Eintreffen des Kunden in der Location nicht per Beacon, sondern per GPS ermittelt wird. Der Grund dafür ist laut Bereichsleiterin Antoinette Henriquez, dass das Management der Beacons kompliziert ist: Batterien müssen gewechselt werden, und in einem Test gingen teils Beacons verloren. Kaffeehausbesitzer und Friseure sagten selbst, dass sie lieber auf Beacons verzichten wollen: Löst man das Problem per GPS, so müssen sich Arzt und Wirt um keine technischen Details kümmern.

Beacons: Hype oder Zukunftstechnologie?

Die Beacons-Technologie, mit der User an geografischen Orten gezielt Nachrichten auf ihr Handy erhalten, wird vor allem im Handel versuchsweise eingesetzt: Billa hat als erster Lebensmittelhändler des Landes ein Pilotprojekt gestartet und elf seiner Filialen in Wien und Niederösterreich mit dieser Technologie bestückt, der Rewe-Konzern hat die Technologie auch in zwei Merkur-Filialen in Wien im Einsatz; und auch die ÖBB verwenden Beacons, um User der Scotty-App mit Informationen zum jeweiligen Bahnhof zu versorgen.

Von Marketern werden Beacons als treibende Technologie gesehen: Laut einer Studie unter deutschen Marketern sehen 19 Prozent Beacon-Technologie als einen der großen Trends in der mobilen Werbung - mehr Chancen sehen die Experten nur noch für Location Based Advertising (48 Prozent) und Influencer Marketing (23 Prozent). Endnutzer sind aufgrund einiger technischer Hürden jedoch noch weniger euphorisch, unter anderem deswegen, weil sie dafür eigens spezielle Apps installieren müssen: Auf die Frage, was sie während des Wartens im öffentlichen Raum schon mal getan haben sagten nur zwei Prozent, dass sie über Beacons mit einem Plakat interagiert haben. Vermutlich fehlte unter den Befragten noch ein plausibles Anwendungsszenario, das ihnen einen persönlichen Nutzen bringt - mit dem digitalen Lesezirkel könnte dieses gefunden worden sein.

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