Medientage: Die Zukunft des digitalen Radios

DAB+, UKW, Internet oder doch ein Mix? In Österreich gehen die Meinungen zum Radio der Zukunft auseinander.

Dem österreichischen Radio der Gegenwart geht es gut: Laut aktuellem Radiotest hören 77,3 Prozent der Österreicher ab zehn Jahren täglich Radio. Aber wie soll das Radio der Zukunft aussehen? Zu diesem Thema ist man sich in Österreich mehr als uneins. Auf den Österreichischen Medientagen diskutieren die beteiligten Parteien – der Verein Digitalradio, die ORF-Sendertochter ORS, das Medienministerium sowie ORF und Kronehit – dazu am Panel „Digital vor der Tür – Wie sieht die Zukunft des Radios im dualen Markt aus?“.

Beim Verein Digitalradio hat man ein sehr genaues Bild von der Zukunft: „Radio ist die einzige Mediengattung, die noch nicht digitalisiert ist. Rund um Österreich bewegt sich alles in Richtung DAB+, zum Beispiel in Ungarn, Slowakei, Italien oder der Schweiz“, erklärt der Obmann-Stellvertreter des Vereins, Wolfgang Struber. Der Geschäftsführer von Radio Arabella wünscht sich ein „Bekenntnis der medienpolitisch Verantwortlichen“ zu DAB+: „Einem Markt, der zu 70 Prozent vom ORF beherrscht wird und in dem es nur ein einziges privates kommerzielles Radio bundesweit gibt, würde eine Förderung des dualen Marktes guttun. Ich glaube Österreich hat die Chance verdient, national mehr Formate zu etablieren, die den Hörfunk weiterentwickeln.“

DAB+-Start auf 2019 verschoben

Struber sieht so einen Mix zwischen UKW, DAB+ und dem Internet als zukunftsträchtigen Weg: „Breitflächige Angebote kommen über DAB+ und UKW, Nischenprogramme über das Internet.“

Davon ist man momentan aber noch weit entfernt, mit Stichtag 12. Juni haben sich erst einmal zwei Player für die technische Realisierung des Sendernetzes von DAB+ beworben: ORF-Tochter ORS für die bundesweite Abdeckung, für das regionale Sendernetz im Großraum Wien die RTG Radio Technikum GmbH. Nun ist die Medienbehörde KommAustria am Zug: „Sobald der rechtskräftige Zuschlag erteilt ist, benötigen wir rund vier Monate für den technischen Sendestart“, sagt ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer und führt weiter aus: „Nachdem der Start jedoch erst für 2019 geplant ist, besteht hier kein Zeitdruck.“

Grund für die Verzögerung ist eine Meinungsverschiedenheit mit der AKM: So zögern potenzielle DAB+-Sendebetreiber bisher, bei Plattformbetreibern Verpflichtungserklärungen über zehn Jahre Programm zu unterschreiben, wegen zu hoher Lizenzkosten. Diese würden nach den Einwohnern im Sendegebiet und nicht nach erreichten Hörern berechnet werden, was für eine Technologie mit wenigen Empfangsgeräten am Markt sehr hohe Preise wären. Struber dazu: „Auch wenn es dadurch zu einer Verzögerung gekommen ist – ich glaube mit Dialog und dem Willen zur Veränderung wird sich das lösen lassen“ Für den Vertreter des Vereins Digitalradio ist klar: „Bis 2020 werden wir im Regelbetrieb 85 Prozent der österreichischen Bevölkerung erreichen können.“

ORF hält sich bedeckt – Kronehit setzt auf Online

Welche Sender 2020 wirklich zu hören sind, darüber will momentan noch keiner der Radiosender etwas sagen. Der ORF hält sich zu diesem Thema bedeckt; dagegen vertritt Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda eine klare Meinung: „Wir haben die für eine österreichweite terrestrische Verbreitung erforderlichen UKW-Kapazitäten und brauchen DAB+ nicht – wir konzentrieren uns auf Online.“ Die Vorteile für Swoboda: „Onlineradio erzeugt durch ein breit gefächertes Angebot an Streams Vielfalt, kann aber die Funktionalitäten und Usability von großen Streamingdiensten bieten.“ Der Kronehit-Geschäftsführer sieht in DAB+ eher eine „zusätzliche Verbreitungsschiene vor allem für jene, die terrestrisch verbreiten wollen, aber keine ausreichenden UKW-Kapazitäten erhalten“.

Was allerdings die Zukunft des Radios an sich angeht, will auch ORS-Geschäftsführer Wagenhofer UKW nicht ganz abschwören: „Aus der Sicht des technischen Dienstleisters in Österreich muss man sagen, dass der UKW-Standard ein etablierter und gut funktionierender – nahezu ausfallsicherer – Verbreitungsweg ist.“ Wagenhofer glaubt daher eher an einen „sehr langfristigen Parallelbetrieb von UKW und DAB+ mindestens bis Ende der 2030er-Jahre“.

Die Zukunft des Digitalradios ist auch Thema des Panels „Digital vor der Tür“ am 20. September von 13:30 bis 14:00 Uhr auf den Österreichischen Medientagen.

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