Die smarte Zukunft des Radios

Neben beständigen linearen Programmen verlagert sich die Radionutzung weiter ins Web. Wie die Macher darauf mit neuen Services reagieren und auch in der Radiovermarktung Programmatic Einzug hält.

Dieser Artikel erschien auch in der HORIZONT-Printausgabe 38/2017 vom 22. September. Hier geht's zum Abo.

Live oder on-demand? Wie sieht die Zukunft des digitalen Radios aus? Ist die Zukunft automatisch smart? Und welche Rolle spielen Daten in der Radiovermarktung? In der Evolution des Mediums und Werbeträgers Radio hat es wenig Revolution gegeben, dafür umso mehr Bewährtes: Als Tagesbegleiter, als Unterhalter, als Timetable mit den stündlichen Nachrichten, als Zeitvertreiber und wichtiger Informant für Verkehrsfunk im Automobil. Doch wie verändert die Digitalisierung das Radio?

Die derzeitige Nutzung

77 Prozent der Österreicher hören laut Media Server Radio, der Großteil tut das zu Hause, knapp weniger als zwei Drittel unterwegs. Der Hauptgrund für die Radionutzung ist Unterhaltung gefolgt von Information und Entspannung. Knapp ein Fünftel der jungen 14- bis 29-Jährigen hört regelmäßig Radio über das Smartphone.

In der aktuellen CAWI-Print (siehe HORIZONT 37/2017) wurde die Nutzung von Print, TV und Radio in klassischer und digitaler Ausspielung unter den 14- bis 69-Jährigen abgefragt: Sechs Prozent geben an, nie traditionelles Radio zu nutzen, 45 Prozent nutzen nie das Onlineradio eines Radiosenders und 70 Prozent nie ein bezahltes Musikportal (aber nur 31 Prozent nie ein kostenloses Musikportal).

Im September 2016 gab Valerie Weber, Hörfunkdirektorin des WDR in Köln, am Radiogipfel der Österreichischen Medientage bereits sehr selbstbewusst als Ausblick in die Zukunft zu Protokoll: „Ich glaube fest an die Gattung Radio“, unterstrich damals Weber, und zeichnete ihr Szenario: „Streamingdienste werden parallel eine Rolle spielen für Menschen, die individuell Musik hören wollen - wie schon früher mit Kassette, Schallplatte oder CD. Sie werden das Echtzeitmedium Radio dabei aber nicht abhängen. Denn Menschen sind soziale Wesen und nur Radio bietet gemeinschaftliche Livemomente, Einordnung, Überraschung und einen echten Draht zum Hier und Jetzt.“ Sie appellierte an Radiomacher und Programmstrategen: „Tragt das bewährte Konzept des Call-in im linearen Radioauch in die digitale Welt, in der Interaktivität und Personalisierung ungleich differenzierter möglich sind“. Und ergänzte um einen Satz: „Vergesst dabei eure Sendermarken nicht!“

Neue Formen der Kuratierung

Die Zukunft des Radios, ist Kronehit-Programmdirektor Rüdiger Landgraf überzeugt, „findet am Smartphone statt - oder gar nicht.“ Was er und der einzige nationale private Sender Kronehit damit meinen, hat Landgraf erst im Juli dieses Jahres mit der App „KroneHit skipfm“ vorgestellt: Der Hörer kann im linearen Programm via Skip-Funktion vor- und zurückspringen, Programmelemente auswählen, sich Bouquets vorschlagen lassen - das dazugehörige Tool ist auch in Lizenz für Dritte verfügbar.

Bewährte Stärken

„Audio ist das stärkste Signal, das es gibt“, meint Joachim Feher, Chef des Privatradiovermarkters RMS-Austria, der seit fast zehn Jahren konsequent auch Radio im Web, Webradio, Aggregatoren und Musikdienste im (Online-)Portfolio hat. „Wegschauen, überblättern - kein Problem. Weghören? Die Ohren zuhalten? Wer macht das schon ...“ Feher verweist auf den aktuellen Hype um Amazons Alexa. „Und was ist das für ein Wunderding? Audio!“

Einzug der Automatisierung

Als Vermarkter zur Zukunft der Radiound Audiovermarktung befragt, verweist Feher auf Nico Aprile, Gründer von adremes, der mit ihm auch am Radiogipfel der Medientage zum Thema „Die Zukunft der Werbung sind Daten“ diskutiert: Aprile hat für die RMS eine AdExchange-Plattform programmiert, die automatisierte Buchung und Platzierung ermöglicht (online sowieso und auch im linearen Radio) und arbeitet an Systemen, programmatische Buchungen in Echtzeit auch im Audiostream möglich zu machen.

„Wir sprechen da nicht von Radio allein, sondern Podcasts oder Plattformen wie spotify oder Pandora oder Aggregatoren wie radio. at. Sowie sich der Hörer für linear oder on-Demand entscheidet, kann der Werbekunde Massen- und/oder Individualwerbung schalten, bis zur Personalisierung.“

[]

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online