Die neuen Wege der NÖN

Geschäftsführer Friedrich Dungl und Herausgeberin Gudula Walterskirchen über die neue redaktionelle Strategie, den Druck am Anzeigenmarkt und den Verkaufsprozess der Druckerei des NÖ Pressehauses.

Der – noch vereinte – Jahresabschluss des NÖ Pressehauses für 2016 weist 5,7 Millionen Euro operativen Verlust aus, nach 4,3 Millionen Euro im Jahr 2015. Der Umsatz des NÖ Pressehauses sank von 85,7 auf 82,8 Millionen Euro im Jahr 2016. Sowohl die Werte der Druckerei als auch jene des Zeitungsverlages waren bisher rückläufig, beide hätten aber in den vergangenen Monaten den Turnaround geschafft und würden wieder positive Ergebnisse erwirtschaften: „Wir gehen aus jetziger Sicht davon aus, dass wir sowohl im Druck-, als auch im Verlagsbereich die Umsätze stabilisieren konnten und rechnen mit keinen weiteren Umsatzverlusten im Vergleich zu 2016“, sagt Geschäftsführer Friedrich Dungl. Gelungen sei das durch Umsatzzuwächse im Anzeigenbereich, auch Online, die Rückgänge im Vertriebsumsatz kompensiert haben. „Die Ausbildungsoffensive für Anzeigenmitarbeiter im Digitalbereich hat offensichtlich gefruchtet“, so Dungl.

Konkurrenz drängt in den Markt

Trotz Umsatzzuwächsen im Anzeigenbereich stellt Dungl fest, dass „Anzeigenumsätze immer mehr unter Druck geraten“. Daher stelle man sich bereits jetzt darauf ein, dass der Vertriebsumsatz zukünftig wieder einen höheren Anteil am Gesamtumsatz ausmachen werde. Es gehe nun darum, „massiv in den Lesermarkt zu investieren“, so Dungl. Ein viermal jährlich erscheinendes Clubmagazin etwa soll den Lesern ihre Vorteile im Rahmen eines Abos aufzeigen. Darüber hinaus werden auch Supplements einen noch größeren Stellenwert spielen. Der Einzelheftverkauf, „eines der noch größeren Sorgenkinder“, wie der Geschäftsführer einräumt, soll dadurch angekurbelt werden, indem Geschichten Online angeteasert und in vollem Umfang in der Zeitung transportiert werden. Diese Strategie hätte in den vergangenen Monaten nicht nur zu einer Stabilisierung der Einzelheftverkäufe, sondern auch zu einem Zuwachs der Unique User im Onlinebereich geführt.

Die NÖN erreichen in Niederösterreich laut MA 16/17 33,9 Prozent Reichweite, was einer statistisch nicht signifikanten Veränderung gegenüber dem Vorjahr entspricht (MA 15/16: 34,2 Prozent). Die Bezirksblätter kommen laut MA 16/17 auf 49,7 Prozent Reichweite. Im Jahr davor lagen die Bezirksblätter noch bei 47,9 Prozent. Als direkten Konkurrenten sieht Herausgeberin Walterskirchen die Bezirksblätter dennoch nicht: „Bei den Bezirksblättern handelt es sich um eine Gratiszeitung, die hauptsächlich für den Anzeigenmarkt gemacht wird. Eine Bezahlzeitung wie die NÖN setzt hingegen sehr stark auf inhaltlich exklusive Schwerpunkte.“

Weitere Konkurrenz gibt es zudem vom Kurier, der seit Ende Oktober mit einer wöchentlichen Niederösterreich- Beilage den Markt beackert. Diese zusätzliche Konkurrenz sei laut Walterskirchen „nicht unbedingt ein Thema“. Für die Zukunft plant man, sich „noch weiter von den Bezirksblättern und sonstigen Gratiszeitungen im Land abzusetzen“.

Redaktion: Strukturprozess

In der Zwischenzeit geht die Umstrukturierung in der Redaktion munter weiter. Fahrnberger wird sich auf Organisatorisches und die Landeszeitung konzentrieren, Lohninger auf die Leitung, Organisation und Unterstützung der Lokalredaktionen. Der Titel „Erster“ werde nicht wieder eingeführt, die beiden agieren auf Augenhöhe. Viele Entscheidungen sollen in gemeinsamer Abstimmung getroffen werden, wer in welchem Bereich die Letztentscheidung habe, sei aber klar abgesteckt. Lohninger weilt aktuell noch im Urlaub. Nun stehe man personell jedenfalls da, wo man schon immer stehen wollte und könne sich aufs Vorwärtskommen konzentrieren – sagt Herausgeberin Walterskirchen.

Aktuell liegt der Fokus der gesamten Redaktion auf die in acht Wochen anstehenden Landtagswahlen in Niederösterreich. Gleich danach soll aber ein Strukturprozess initiiert werden. Der Schwerpunkt im nächsten Jahr werde sein, inhaltlich neue Projekte auf den Weg zu bringen. Zum einen geht es hier um eine Nachschärfung bei den Regionalausgaben, zum anderen um den Aufbau einer crossmedialen Struktur.

Magazinigere Ausrichtung

Aber auch im Landesteil seien inhaltliche Anpassungen notwendig. Im Landesteil werde es darum gehen, magaziniger zu werden. Nicht zuletzt deshalb, weil dieser bereits montags um fünf Uhr Früh Redaktionsschluss hat, aber erst am Dienstag und Mittwoch der Regionalausgabe beiliegt. Den Zeitungsdruck hat das Pressehaus 2014 an die Mediaprint ausgelagert. Mit dieser habe man damals langfristige Verträge abgeschlossen, beim Druckauftrag solle sich nichts ändern. „Das heißt, wir werden den Kampf um die Aktualität nicht gewinnen können“, sagt Fahrnberger. Heißt: Hintergründe, Tiefe und Zusammenhänge werden künftig verstärkt auf der Agenda stehen. Ein Qualitätsmedium wollen die NÖN dabei sein, ohne den regionalen Fokus aus den Augen zu verlieren. „Wir wollen die Regionalausgaben stärken, gleichzeitig setzen wir auf eine für den Leser attraktive Landeszeitung“, so Fahrnberger.

Schon in den vergangenen 18 Monaten sei der inhaltliche Fokus auf den Bezirk nachgeschärft worden, „insbesondere im Sportbereich, aber auch andere Ressortteile haben wir weiter auf die Regionen heruntergebrochen“, so Geschäftsführer Dungl. Auch Online sei man „immer weiter von Niederösterreich-Themen, die man natürlich auch auf vielen anderen Plattformen findet, weggegangen“ und habe sich in der Berichterstattung „sehr klar in Richtung Bezirke fokussiert“. Seit Anfang 2016 gibt es bekanntlich wieder eine striktere Trennung zwischen Regionalteil und Landesteil. Die Zusammenführung der beiden Bereiche im Jahr 2015 hatte zu Problemen geführt. Kritik kam sowohl von Lesern als auch von Mitarbeitern. Ausschließen möchte Fahrnberger im Moment nicht, dass der Landesteil wieder in den Regionalteil eingegliedert werde. Wahrscheinlicher sei allerdings die Variante, dass man die Trennung der Bereiche beibehalte.

Walterskirchen versteht sich dabei „als Coach“, auch weil Chefredaktion und Redaktion am besten wüssten „wo es drückt, wo man nachjustieren muss und welche Dinge sich bewährt haben“. Eröffnet wird der Prozess im Frühjahr. Am Willen für Verbesserungen und Veränderungen scheint es laut ihr nicht zu scheitern, auch nicht in den regional stark verwurzelten Lokalredaktionen. „Ich hatte, um ehrlich zu sein, ein wenig die Sorge, dass es nicht einfach werden wird, einen so großen Tanker in eine neue Richtung zu steuern“, sagt Walterskirchen. Die Innovationsbereitschaft und Ideen hätten sie jedenfalls überrascht.

Knabl, Gebhart, Ettinger – und jetzt Fahrnberger und Lohninger. Unbestritten ist, dass es einer Mammutaufgabe gleichkommt, die NÖN redaktionell zu führen. Insbesondere für jene, die das Blatt nicht von Innen heraus kennen, wie das bei Ettinger der Fall war. Wie es um seine Zukunft bei der NÖN bestellt ist, bleibt zunächst unklar – er ist wie berichtet im Krankenstand. Die Nachfolger Fahrnberger und Lohninger kennen die NÖN jedenfalls. Die beiden waren bisher stellvertretende Chefredakteure und sind seit mehr als 20 Jahren in der NÖN-Redaktion tätig. Zudem stammen beide aus NÖN-Kerngebieten: Lohninger kommt aus dem Waldviertel, Fahrnberger aus dem Mostviertel. „Wir beide kennen die Struktur von der Pike auf und wissen sehr genau, wo die Reise hingehen soll“, sagt Fahrnberger.

[]

Zurück

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online