Die neue europäische Ausrichtung von Havas

Die Havas-Europa-Neueinsteiger Eric Schoeffler und Thomas Funk sprechen mit den Österreich-Chefs Karl Heinz Pacher und Alexander Rudan über das Netzwerk und die Bedeutung am österreichischen Markt.

Horizont: Sie beide sind von DDB zu Havas gewechselt. War das eine gemeinsame Entscheidung?

Thomas Funk: Wir sind zusammen gewechselt. Im Sommer 2015 fanden die ersten Gespräche mit Yannick Bolloré, dem Inhaber und CEO von Havas, statt, der uns mit seiner Vision für Havas begeistert hat. Wir haben uns bei DDB sehr wohl gefühlt, aber der unternehmerische Spielraum, der uns skizziert wurde, hat uns überzeugt, einen Cut zu machen.

Eric Schoeffler: Für mich sind zwei Dinge wichtig gewesen: Zum einen die Beziehung, die ich zu meinem Geschäftspartner Thomas habe, die auf einem höchsten Maß an Vertrauen basiert, was bei einer Branche, die sich sehr schnell verändert, extrem wichtig ist. Und zum zweiten war ich tatsächlich 17 Jahre bei DDB und mich hat es sehr gereizt, das, was ich gelernt habe, woanders einzubringen.

Welche Ziele haben Sie sich zu Beginn gesetzt und was haben Sie davon schon erreicht?

Funk: Wir haben uns in den ersten drei Monaten den Luxus genommen, Havas erst einmal richtig zu verstehen. Von außen betrachtet mag da vielleicht noch nicht so viel passiert sein, aber ich glaube schon, dass wir etwas losgetreten haben. Ein wichtiger Faktor ist, dass Havas einen kompletten Integrationsprozess aller Units führt. Die Havas Villages, bei denen es zu einem Zusammenschluss von Kreativ- und Mediaagenturen kommt, gibt es inzwischen in fast allen Offices weltweit. Dieses gewichtige Differenzierungsmerkmal weiter auszubauen und für uns und unsere Kunden immer besser auszunützen, ist das große Ziel. Als inhabergeführtes Unternehmen haben wir zudem den Vorteil, dass die Entscheidungswege kurz sind.

Schoeffler: Ich glaube, auch was die Kreation angeht, ist ein Togetherness-Gedanke extrem wichtig. Am Ende des Tages ist es immer die Idee, die uns unterscheidet. Und das Kollaborationskonzept der Havas Villages stellt diese ewige Wahrheit wieder verstärkt in den Mittelpunkt.

Funk: Hier ist Wien ein wunderbares Beispiel, denn hier ist der Village-Gedanke schon sehr früh implementiert worden, indem man an einem Ort saß. Geografische Nähe hilft.

Karl-Heinz Pacher: Vor vier Jahren haben wir das erste Mal begonnen, über einen Locationwechsel nachzudenken, seit dem Juli 2013 gibt es hier das Havas Village, in dem 60 Mitarbeiter arbeiten.

Welche Bedeutung hat der österreichische Markt für Havas und was sind die Besonderheiten?

Funk: Als internationales Network müssen wir Lösungen in allen Märkten anbieten, natürlich auch Adaptionskampagnen. Der Bedarf an lokalen Kampagnen nimmt trotz Globalisierung zu. Kulturelle Unterschiede sind spürbarer denn je. Wir haben hier enorme Wachstumschancen und natürlich wollen wir diese nutzen.

Pacher: Neben unseren nationalen Kunden und der Lokalisierung von internationalen Kampagnen entwickeln wir hier ja auch Arbeiten für andere Länder. Zum Beispiel für neue Kunden wie Philips oder Imi Hydronics, wo wir Kampagnen global exportieren. Dazu die Groupe PSA, wo wir seit Jahresbeginn die Marken Peugeot, Citroën und DS für die Schweiz mitbetreuen. Da ist unser Standort schon stetig im Wachsen.

Können Sie das Wachstum in Zahlen nennen?

Funk: Der Jahresabschluss läuft noch. International wird der Umsatz deutlich über zwei Milliarden Dollar liegen. Damit sind wir natürlich eines der kleineren Networks – aber so klein dann aber wiederum auch nicht.

Pacher: Wir haben vor dreieinhalb Jahren bei der Übernahme mit circa 18 Mitarbeitern gestartet – seit Jahresbeginn 2017 sind wir aktuell 40 Mitarbeiter – allein durch die Etatgewinne der letzten vier Monate hat sich unser Team um zehn Mitarbeiter erweitert.

Welche Strategien verfolgen Sie, um die Entwicklung voranzutreiben?

Alexander Rudan: Das klingt jetzt vielleicht etwas abgedroschen, aber wir haben in den letzten Jahren die gesamte Agentur digitalisiert. Dies haben wir auch wirklich physisch umgesetzt. Wir haben ein Team von fünf Digitalspezialisten, die mitten in der Agentur zwischen Beratung und Kreation sitzen und wirklich bei jedem Projekt von Anfang an involviert sind, dazu jede Menge Mitarbeiter, die ohnehin „digitalisiert“ denken.

Schoeffler: Das Entscheidende für uns sind die drei Felder Werbung, Media und Daten, und ich denke, dass wir diese auch gut verbinden können. Ich tue mich immer etwas schwer, das alles silohaft zu betrachten. Also für mich ist alles digital, was wir den ganzen Tag machen. Da muss mir einer erklären, warum wir in dem Moment, in dem wir eine Agenturtür öffnen, aufhören sollten digital zu sein und plötzlich in 80er-Jahre-Muster verfallen. Beim Thema Daten wird es aber spannend.

Funk: Ich behaupte, dass die Agenturen, die sich nicht jetzt mit der Verschmelzung von Kreativität, Medien und Daten auseinandersetzen, in drei bis fünf Jahren vom Markt sind. Havas war die erste Agentur, die eine Kooperation mit IBM Watson eingegangen ist, sprich sich auch wirklich Datenintelligenz in die Abwicklung der Ideenverläufe reingeholt hat. Kreativexzellenz, auch aus Markengesichtspunkten, zusammen mit Datenintelligenz ist das Feld der Zukunft.

Sei es in Bezug auf Data oder Digital, es sind schnelle Entwicklungen, denen man folgen muss. Wie schafft dies ein „Agentur-Schlachtschiff“?

Funk: Genau weil wir in Teilen dies „Schlachtschiff“ sind und weil wir die Möglichkeit haben, in unterschiedlichen Märkten Erfahrungen zu sammeln. Ein Best-Practice-Case wird bei uns im Network sofort ­geteilt, sodass alle schnell von diesem Know-how profitieren. Bald haben wir ein Global Leadership Meeting in ­London, wo wir zusammenkommen und Entwicklungen diskutieren, die für den europäischen Markt relevant  sind.

Rudan: Was wir wirklich für einen Riesenvorteil halten, ist, dass wir im Netzwerk sehr früh mit neuen Themen in Kontakt kommen. In der Theorie und mit praktischen Erkenntnissen. Wir plappern es nicht einfach nur nach, wenn es Wochen später in irgendwelchen Blogs oder Medien steht, sondern gestalten aktiv mit.

Wie holen Sie sich Ihre Impulse abseits des Networks?

Schoeffler: Ich habe noch nie das Problem gehabt, nach Inspiration suchen zu müssen. Für mich ist Austausch entscheidend. Deshalb versuche ich im Network mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu sein. In jedem Gespräch lerne ich etwas, nehme Inspiration mit und gebe diese wieder weiter.

Funk: Eric hat den Vorteil, dass er schon in jeder Jury dieser Welt beheimatet war.

Rudan: Im Kleinen halte ich es für wichtig, immer wieder auf die Straße zu gehen und den Leuten zuzuhören. In der Straßenbahn oder im Café schauen, wie die Leute ticken. Das ist eine wichtige Inspirationsquelle, auch wenn ich wie ein Spanner durch die Gegend spaziere.

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