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Die große Branchenbefragung - das sagt die Medienbranche

(c) David Bohmann, VÖZ/Franz Helmreich Fotografie, Kronen Zeitung/Martin A. Jöchl, Christian Jungwirth, Axel Springer, Jeff Mangione, P7S1P4/Trauer

Welche Themen haben die Manager der umsatzstärksten Medienhäuser Österreichs im abgelaufenen Jahr 2017 beschäftigt – und was haben sie auf ihrer Strategie-Agenda für das kommende Jahr?

Das ist die Coverstory des aktuellen bestseller - das Wirtschaftsmagazin für die Kommunikationsbranche aus der HORIZONT-Redaktion.

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Alexander Wrabetz, Generaldirektor ORF

HORIZONT: Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Mit der Digitalisierung und ihren Folgen für die öffentlich-rechtliche Medienproduktion. Die Eigenständigkeit des Medienmarkts Österreich ist gefährdet: zum einen durch die großen deutschen Medienkonzerne, zum anderen durch die Silicon-Valley-Giganten – eine Art digitale Doppelmühle. Wir brauchen eine gemeinsame Strategie der österreichischen Medien, sie wie der ORF mit der Schaffung einer „Media Agenda 2025“ vorgeschlagen hat.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Eigentlich nichts: Der ORF hat eine langfristige Unternehmensstrategie und ist für die anstehenden Herausforderungen dank der hohen Publikumsakzeptanz seiner Angebote und der großen Innovationskraft seiner Mitarbeiter gut aufgestellt.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Eine Vielzahl von Themen steht auf der Agenda, für die wir gemeinsame Lösungen brauchen: von der Schaffung wettbewerbsund steuerrechtlicher Fairness in der Konkurrenz mit den globalen Playern bis hin zu den richtigen Weichenstellungen bei Zukunftsthemen wie der 5G-Technologie, dem Datenschutz oder „Must carry“-Regelungen für klassische Medien auf neuen Plattformen.

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein.

Thomas Kralinger, Geschäftsführung Kurier Medienhaus

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Erfreulich ist die stabile Beliebtheit unserer Printprodukte, daneben steigt aber der mobile Konsum signifikant. Durch den Kauf von SchauTV haben wir den Ausbau des Kurier Medienhauses mit Bewegtbild bereichert. Damit haben wir für unsere Werbepartner erstmals Print, Digital, Radio und Fernsehen im Portfolio.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Auf der einen Seite hat mich die Weigerung des Verfassungsgerichtshofes, eine Entscheidung über unsere Beschwerde zur Werbeabgabe aufgrund der gleichheitswidrigen Behandlung der Werbegattungen zu fällen, überrascht. Auf der anderen Seite habe ich die nachhaltig gute Stimmung und die damit verbundenen Entscheidungen zahlreicher Unternehmen, wieder in Print zu investieren, positiv wahrgenommen.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Sicherlich werden die Landtagswahlen im Fokus der Berichterstattung liegen. Mit Spannung erwartet: Umsetzung und Maßnahmen des Medienpakets der neuen Regierung. Bekämpfung von unzulässigen Werbepraktiken bis „Fraud“ in der digitalen Vermarktung – hier haben wir viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Digitalisierung und Bewegtbild beschäftigen uns weiterhin

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein, denn in der Vergangenheit war selbst die Zukunft besser.

Monika Fuhrheer, Geschäftsführung Mediaprint

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Am meisten beschäftigt habe ich mich mit der Mediaprint-Druckerei und der Modernisierung der bestehenden Anlagen beziehungsweise mit Investitionen für die Zukunft.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Die Sportrechte, und dass diese vom Öffentlich-Rechtlichen sukzessive komplett ins Privatfernsehen abwandern, überraschen mich.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Für Medienhäuser verlegerischer Herkunft werden auch 2018 die großen Herausforderungen die Monetarisierung der digitalen Geschäftsfelder und die Reichweitenstabilisierung der Printtitel sein. Es geht also nicht um Print versus Digital, sondern wie man die Leser und User – mit inhaltlicher Relevanz, zuverlässiger Information und Glaubwürdigkeit – an die Medienmarke binden kann.

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein.

Markus Mair, Vorstand Styria Media Group

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Die Chancen der Branche liegen in der digitalen Transformation, die in hohem Tempo voranschreitet. Wir sind stolz, dass die Styria in der Digitalisierung ihres Kerngeschäfts Vorreiter ist. Davon haben wir 2017 definitiv profitiert und hatten so die Möglichkeit, Dinge weiterzuentwickeln: im Digitalbereich einerseits im Reichweitenmodell unserer kroatischen Tageszeitung 24sata, andererseits mit den Bezahlmodellen für die Kleine Zeitung und Die Presse. Die Balance aus Print und Digital wird die Styria halten – indem wir 30 Millionen Euro in unsere Druckereien investieren, als sinnvolle Ergänzung zum digitalen Geschäft.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Ich würde nicht sagen, dass uns etwas überrascht hat. Wir beobachten genau und prägen Trends mit. Die „Fake News“- Debatte war ein „Glücksfall“ für Qualitätsmedien und unabhängigen Journalismus, die hier ihre Stärke ausspielen können.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Weiterhin die Digitalisierung: organisatorisch – siehe DSGVO – und auch inhaltlich. Die Welt bleibt nicht stehen. Wer sich dabei auf seine Werte besinnt, wird Leser und User überzeugen. Die Styria ist hier auf einem hervorragenden Weg.

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein.

Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender Moser Holding AG

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Im Kern ist es auch 2017 darum gegangen, alle Produkte und Geschäftsfelder im Sinne einer Evolution weiterzuentwickeln. Dabei stellte sich jeweils die Frage, in welchem Ausmaß die Digitalisierung mitgedacht werden kann und sollte.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Die völlige Neubewertung von Online, nachdem große Werber wie Procter & Gamble oder Ferrero das Onlinewerbevolumen so drastisch reduziert haben. Nach der breiten Diskussion um Ad Frauds und Co. wird Print nun im Werbemix wieder ein relevanter Anteil zugebilligt. Das war nicht immer so.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Die oben angeführte Diskussion um eine objektive Bewertung von Onlinewerbung wird weitergehen. Außerdem wird uns auch 2018 die Übermacht von Facebook und Google beschäftigen.

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein!!!!

Christine Scheil, Geschäftsführerin SKY Österreich

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Eines der wichtigsten Themen war die Vergabe der österreichischen Fußball-Bundesliga-Rechte. Anfang November fiel schließlich die Entscheidung für Sky als exklusiver TV-Partner bis 2020. Nun geht es darum, die besten Partner für vier Spiele pro Saison sowie eine Highlight-Show zu finden.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

2017 hat sich das Mediennutzungsverhalten rapide verändert. Weg von linear, hin zu noch mehr on demand. Als Anbieter beider Übertragungsformen sehen wir vor allem bei Serien eine Verschiebung von 50 bis 90 Prozent hin zu on demand. Diese Entwicklung haben wir natürlich erwartet, die Schnelligkeit war jedoch überraschend.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Die fortschreitende Digitalisierung wird unsere Geschäfte weiterhin stark beeinflussen und neue Technologien in hoher Geschwindigkeit verfügbar machen. Zugleich findet eine Konsolidierung des Marktes statt, in dem es kleinere Player immer schwerer haben werden, gegenüber multinationalen Konzernen zu bestehen

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein.

Bernhard Albrecht, COO ProSiebenSat.1 PULS 4

Mit welchem Thema haben Sie sich im Jahr 2017 in Ihrem Unternehmen am meisten beschäftigt und warum?

Neben der Integration der ATV-Sendergruppe waren es vor allem Maßnahmen zur Bewältigung der digitalen Transformation der Medienmärkte. Dazu zählten insbesondere die Einführung von lokalen Produkten wie der App „Zappn“ sowie die erfolgreiche Etablierung des digitalen 4Gamechangers Festivals.

Von Trends bis Ereignisse: Was hat Sie im Jahr 2017 besonders überrascht?

Dass es erstmals gelungen ist, zusammen mit den Sendern ATV, Puls 4, ServusTV und SchauTV eine gemeinsame Wahlsendung zur Nationalratswahl am 15. Oktober umzusetzen. Auch die zahlreichen – von Millionen Österreichern verfolgten – Diskussionsrunden der Spitzenpolitiker haben eine noch die da gewesene Relevanz des Privatfernsehens erreicht.

Welcher Themenbereich wird 2018 die Branche prägen und warum?

Endlich eine nachhaltige Position der lokalen Medien gegenüber den digitalen US Giants gemeinsam zu entwickeln. Dafür ist auch endlich ein besseres Verständnis und Unterstützung der Politik gefordert.

War Ihrer Meinung nach früher alles besser?

Nein. Oder nach Victor Hugo: „Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.“

Anm. Angefragt wurden die Top 10 Medienhäuser nach Marktumsatz.

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