Die Geschäfte des Mäuse-Imperiums

Der erfolgsverwöhnte Entertainment-Konzern Walt Disney musste im vergangenen Quartal Rückschläge hinnehmen. Schuld daran sind Star Wars und Netflix.

Der Gedanke an diverse in der Kindheit konsumierte Zeichentrickfilme dürfte bei jedermann positive Erinnerungen wecken, wenn der Name Walt Disney fällt – mittlerweile ist der Konzern mit der Maus zu einem regelrechten Medienimperium geworden, dessen Umsatz und Gewinn in den vergangenen Jahren stetig gestiegen sind.

Der Aktienkurs hat sich von rund zehn US-Dollar Anfang der 1990er-Jahre auf heute rund 113 US-Dollar mehr als verzehnfacht, im aktuellen Jahr konnten Investoren rund acht Prozent Gewinn machen. An der Börse ist Walt Disney knapp 180 Milliarden US-Dollar wert – das ist mehr als die Marktkapitalisierung von Time Warner (rund 76 Milliarden US-Dollar), 21st Century Fox (rund 59 Milliarden US-Dollar) und CBS (rund 31 Milliarden US-Dollar) zusammengerechnet.

 Gestiegen ist die Bedeutung von Disney auch, indem man andere Größen des Popkultur-Business wie Pixar, Marvel und Lucasfilm kaufte. Eine Wermutstropfen gibt es dennoch: Im vergangenen Jahr enttäuschte die Bilanz die Marktbeobachter, und ausgerechnet ein wichtiger Teil des Konzerns schwächelt.Im Geschäftsquartal bis Ende Dezember 2016 fiel der Umsatz um drei Prozent auf 14,8 Milliarden US-Dollar, der Gewinn ging um 14 Prozent auf 2,5 Milliarden US-Dollar zurück.

Ein Grund dafür ist, dass die Messlatte im Kinofilm-Business besonders hoch angesetzt wurde, nachdem Disney mit dem neuen Star-Wars-Film „Das Erwachen der Macht“ Ende 2015 Rekordergebnisse eingespielt hatte, die das Spin-off „Rogue One“ in der vergangenen Saison unmöglich übertreffen konnte – der Bereich Studio Entertainment schrumpfte um sieben Prozent.

Ein anderer Grund ist das Schwächeln des zu Walt Disney gehörenden Sportsenders ESPN, der mit höheren Kosten und niedrigeren Werbeeinnahmen zu kämpfen hat: Der Umsatz der Sparte Cable Networks schrumpfte um zwei Prozent auf 4,4 Milliarden US-Dollar, der Gewinn brach um elf Prozent auf 900 Millionen US-Dollar ein.

In einem Schreiben zur Quartalsbilanz begründet Disney dies unter anderem damit, dass wichtige College-Football-Spiele in das nächste Quartal verlegt wurden und sich dies auf die Zuschauerzahlen auswirkt; Marktbeobachter sind zudem der Meinung, dass der Kampf um die Aufmerksamkeit des Kunden in dessen Wohnzimmer härter geworden ist.

Stichwort: Videostreaming.Der Konzern reagiert darauf, wie CEO Robert Iger im Gespräch mit Analysten mitteilte: Unter anderem soll bei ESPN der Fokus auf Streaming und Apps verstärkt werden. ­Robin Diedrich, Analystin bei Edward Jones, gehört zu jenen Experten, die eine Gefahr für Disney durch die neuen Mitbewerber sieht, wodurch sich das rasante Wachstum der Vergangenheit künftig verlangsamen könnte. Zugleich betont sie aber, dass Disney allein durch seine Größe gegenüber Geschäftspartnern eine starke Verhandlungsposition habe. Das Unternehmen scheint dies ähnlich zu sehen und seinem CEO zu vertrauen: Der Vertrag des 66-jährigen wurde diese Woche bis Mitte 2019 verlängert.

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