Fake News-Debatte als Chance für etablierte Medien

Laut einer Umfrage des Reuters Institute glaubt ein Großteil der Medienmanager, sich in der Debatte um Fake News als verlässliche Nachrichtenquelle positionieren zu können.

Über zwei Drittel (70 Prozent) von 150 durch das Reuters Institute befragten Medienmanagern und Redakteuren sind der Meinung, dass ihre eigene Position durch die Debatte über Fake News gestärkt wird. Die Medienvertreter hoffen, dass hohe journalistische Qualität als Pendant zur stärkeren Verbreitung von unwahren Meldungen an Bedeutung gewinnen wird – andere wiederum fürchten aber auch, dass die Menschen sich durch das sinkende Vertrauen gänzlich von Nachrichten abwenden.

Der Reuters Report (Download über diesen Link) zitiert auch eine Analyse von Buzzfeed News, laut der in den letzten Wochen vor der US-Wahl Fake News auf Facebook öfter geteilt, geliked und kommentiert wurden als echte Nachrichten. Facebooks CEO Mark Zuckerberg hält dem entgegen, dass Fake News nur ein Prozent von dem ausmachen, was Menschen in ihrer Timeline sehen.

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Relevant ist die Thematik auf jeden Fall, weil laut Reuters Institute inzwischen in fast allen Ländern der Welt die Menschen ihre Nachrichten lieber aus Facebook als aus Tageszeitungen beziehen. Über zehn Prozent sehen Facebook als wichtigste Nachrichtenquelle, bei den jungen Erwachsenen unter 25 Jahren sind es gar 25 Prozent.

Diese Entwicklung erschwert die Beziehung zwischen Medienunternehmen und Tech-Konzernen. Der Reuters-Umfrage zufolge sind 46 Prozent der Befragten besorgt über die erstarkte Position der Plattformen. Bedenken gibt es unter den Publishern in Bezug auf die Transparenz der Algorithmen – sowohl Google als auch Facebook halten diese vor ihren Partnern geheim. Auch Zensur bereitet den Verlagen Kopfzerbrechen – sowie das Gefühl, für den bereitgestellten Content nicht ausreichend bezahlt zu werden. Während Medienunternehmen Personal kündigen müssen, verzeichnen die US-Konzerne Rekordgewinne - das sorgt für ein angespanntes Verhältnis.

Konkret nennen manche Publisher Facebooks „Instant Articles“ als eine finanzielle Enttäuschung. Trotzdem geben 78 Prozent der Befragten an, dass sie im kommenden Jahr Investments in Facebook als die wichtigsten erachten.

Anti-Trump-Extension

Höhere Qualität und Faktenchecks sollen den etablierten Medien nun helfen. So testet die Washington Post zum Beispiel eine Erweiterung des Browsers Chrome, welche die Tweets von Donald Trump automatisch auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft – im Reuters-Bericht wird explizit darauf verwiesen, dass Trump gerne Fake News teilt.

Ende des Jahres, so glauben die Studienautoren, dürfte es hunderte weitere Browser-Erweiterungen und Chatbots geben, mit denen Internetnutzer Nachrichten im Web auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können. Hier gewinnt Facebook wieder als Partner an Relevanz: Seit dem Launch der Messenger Plattform im April wurden über 30.000 Bots für den Facebook Messenger programmiert.

Auch werden neue Lösungen kommen, die sich dem Thema Filterblasen widmen: Der britische „Guardian“ hat etwa eine Rubrik namens „Burst your bubble“ gestartet, in der liberale Leser über Links zu konservativen Artikeln zu neuen Sichtweisen kommen sollen.

500.000 Euro Strafe für Fake News?

Der Report weist auch daraufhin, dass sich die Plattformen um eine Eindämmung des Fake News-Phänomens bemühen. Facebook werde das Problem zwar heuer nicht gänzlich lösen, könne aber wenigstens jene Seiten schlechter im Newsfeed reihen, die häufig durch die Verbreitung von Fake News auffallen. Motivation dafür könnte Zuckerberg auch aus der Politik bekommen: In Deutschland wurden etwa Stimmen in der Politik laut, laut denen Facebook pro Fake News-Posting 500.000 Euro Strafe zahlen soll. den Studienautoren werden solche Strafen zwar vermutlich nicht exekutiert werden - es zwingt Facebook aber, stärker in die Moderation von Fake News zu investieren. Und dafür mehr redaktionelle Mitarbeiter anzustellen.

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