CCA-Awards: Warum SR1 für das „Märchen von der Seefelder Pistenraupe“ kein PR-Gold annahm

Der umstrittene PR-Gag der Agentur SR1 hätte PR-Gold erhalten sollen, kurz vor der Verleihung zog die Agentur ihre Arbeit aber zurück. Der PRVA war gegen die Prämierung.

Donnerstagabend wurden zum 45. Mal die CCA-Awards in Wien verliehen. Der Creativ Club Austria vergab in diesem Jahr 16 goldene Trophäen für herausragende Kreativleistungen – fast wären es 17 geworden. Ursprünglich hätte die Agentur SR1 eine Goldtrophäe in der Kategorie „PR-Aktion / Idee des Jahres“ für die PR-Aktion „Seefelder Pistenraupe“ mit nachhause nehmen sollen, zog diese aber wenige Stunden vor der Award-Show am 20. April aus dem Rennen.

PR-Aktion wurde zuvor vom PR-Ethik-Rat gerügt

Bei der PR-Aktion ging es um den „versehentlichen“ Transport einer Pistenraupe, die nicht ins österreichische Seefeld, sondern in den gleichnamigen deutschen Ort angeliefert wurde. Die PR-Aktion für den Auftraggeber Tourismusverband Seefeld war ursprünglich als kleine Social-Media-Aktion gedacht, nahm im November 2016 aber rasch Fahrt auf und das „Märchen von der Seefelder Pistenraupe“ wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen. Erst Tage nach der Veröffentlichung wurde bekannt, dass es sich um einen reinen PR-Gag handelte. Die PR-Aktion wurde anschließend sowohl vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR), als auch vom heimischen PR-Ethik-Rat gerügt (mehr dazu hier).

Die geplante Prämierung der Kreation mit Gold wurde nach Bekanntwerden der Shortlist vom PRVA missbilligt. Der Public Relations Verband Austria soll laut Horizont-Infos gegenüber dem CCA seine Enttäuschung ausgedrückt haben, dass eine solche Arbeit beim CCA in der PR-Kategorie mit Gold ausgezeichnet wird.

Royer: „Am Ende des Tages war es eine nette Aktion“

SR1-Agenturleiter Karl Royer erklärt gegenüber Horizont: „Obwohl die Arbeit im Vorfeld kritisiert wurde, haben wir uns nach einer internen Diskussion dazu entschieden, sie in der PR-Kategorie einzureichen, weil bei diesem Kreativpreis die kreative Idee im Vordergrund steht.“ Bei der breiten Masse sei die Arbeit letzten Endes gut angekommen, dafür sprechen auch die mehr als 80.000.000 Impressions, die generiert wurden.

Laut Royer wurde nach Bekanntwerden der Missbilligung des PRVA noch einmal darüber nachgedacht, ob die Arbeit hundertprozentig richtig in der PR-Kategorie aufgehoben ist und daraufhin habe die Agentur die Prämierung in dieser Kategorie kurzfristig abgelehnt. Die Einreichungen in den weiteren Kategorien blieben indessen aufrecht. Für die Arbeit gab es in „Promotion & Verkaufsförderung“ Gold und in „Social Media“ gab es Silber. Zu den damaligen Folgen des PR-Gags meint Royer: „Wir haben niemals beabsichtigt, die Medien in die Irre zu führen. Plötzlich ist das sehr groß geworden und gekippt. Wir haben uns mit einigen Journalisten ausgesprochen und die Rüge vom PR-Rat zur Kenntnis genommen. Am Ende des Tages war es eine nette Aktion.“

Wippersberg: „Wir können es als PRVA nicht gutheißen“

PRVA-Präsidentin Julia Wippersberg bezieht dazu Stellung: „Wir können es als PRVA nicht gutheißen, dass eine Arbeit als PR-Aktion des Jahres prämiert wird, die vom Deutschen Rat für Public Relations (DRPR), als auch vom heimischen PR-Ethik-Rat gerügt worden ist. Auch im Urteil stand damals, dass sie die Presse belogen und erst nach mehreren Tagen die PR-Aktion aufgelöst haben.“ Dem CCA habe man seinen Standpunkt mitgeteilt. Ob die Arbeit dann aufgrund dessen von der Agentur zurückgezogen wurde, entziehe sich ihrer Kenntniss. Man begrüße sehr, dass diese Arbeit nun doch nicht in der PR-Kategorie ausgezeichnet wurde. Zu den Auszeichnungen in den beiden weiteren Kategorien meint Wippersberg: „Das steht dem CCA frei, die anderen Kategorien gehen uns nichts an. Wir halten die Werbung für eine befreundete Disziplin, nur wenn es um PR Bereich geht, sagen wir schon, was wir davon halten.“

Von Seiten des CCA hieß es auf Anfrage lediglich: „Es ist nicht die Entscheidung des Vorstands, sondern jener der Agentur gewesen, die Arbeit zurück zu ziehen. Zu den Entscheidungsgründen kann nur die Agentur Auskunft erteilen.“

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