Breitband: „Wir sind momentan unter den hintersten Plätzen in Europa“

Es muss dringend etwas zum Status des Breitbands getan werden, sind sich die Panelteilnehmer am zweiten Tag der Österreichischen Medientage einig.

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„Breitband ist die Basis“, sagte Maria Zesch, Chief Commercial Officer (CCO) bei T-Mobile Austria, vergleichbar mit der Notwendigkeit nach Luft für den Menschen. Laut RTR Telekom Monitor Jahresbericht 2016 wurden im vergangenen Jahr 571.480 Terabyte verbraucht, was fast einer Verdopplung (plus 90,9 Prozent) gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Aber rund 40 Prozent der österreichischen Haushalte haben nur eine Internetgeschwindigkeit zwischen zwei und zehn MBit/s – da müssen wir etwas tun.“ Was die Bereitschaft für 5G angehe, sei Österreich auf den letzten Plätzen auf einem Level mit Bulgarien, Griechenland und Zypern. „Wir sind momentan nirgendwo“, drückt es Zesch aus. Sie urgiert an die Bundesregierung: „5G ist ein Must. Wir diskutieren seit so vielen Jahren, starten wir jetzt endlich.“

Zuviel Bürokratie und Regulationen

Gleich sieht es auch Jan Trionow, CEO von Hutchison Drei Austria: „Der Wettbewerb im mobilen Bereich ist fast tot, wir brauchen eine größere Vision wie wir die Industrie gestalten.“ Klar ist allen Panelteilnehmern, dass man gemeinsam an einem Strang ziehen muss. Der Wunsch an die Regierung von A1 Chief Technology Officer Marcus Grausam ähnelt dem von T-Mobile CCO stark: „Es hat in den vergangenen Jahren viele Visionen gegeben, jetzt muss endlich gestartet werden. Senken Sie die Regulationen und die Bürokratie, dann werden wir weiter investieren!“ Auch Eric Tveter, CEO Regionalorganisation Österreich/Schweiz UPC, erklärt: „Wir investieren 20 bis 40 Prozent unserer Einnahmen im Jahr, aber unsere Preise gehen nicht um 40 Prozent hinauf.“ Er empfindet die „Breitbandmilliarde“, mit der das bmvit bis 2020 eine Milliarde Euro in die Breitbandinfrastruktur investieren will, als eine „gute Initiative“, wenn „die Förderungen wettbewerbsneutral vergeben werden.“

Regierung will noch dieses Jahr Entscheidung

„Wir haben uns in den vergangenen Jahren die falschen Ziele gesetzt“, räumte Wirtschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) ein. Für die nächsten Jahre habe er sich einiges vorgenommen: „Wir möchten führendes Innovationsland werden.“ Das Problem sieht er vor allem in einer gemeinsamen EU-Strategie: „So lange die Mitgliedsstaaten es nicht schaffen, auf eine gemeinsame Strategie zu fokussieren haben wir ein großes Problem. In der EU braucht es leider zwei bis drei Jahre für eine finale Entscheidung. Wir werden immer von der Technologie überholt werden.“ Mahrer ist aber überzeugt: „Es muss noch dieses Jahr etwas auf dem Tisch liegen – sonst verlieren wir zu viel Zeit.“ Was die Inhalte angeht, soll es sich um einen mehr „holistischeren Zugang“ handeln und nicht nur alleine um eine Investition in Infrastruktur. Mahrer ortet in Österreich in diesem Zusammenhang ein Reputationsproblem: „Viele wissen nicht, wie wichtig das Thema ist – Oft investieren Bürgermeister am Land lieber in Kreisverkehre, als in Breitband.“

[Veronika Höflehner]

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