Aus für „NZZ.at“: Man darf scheitern

Leitartikel von Marlene Auer, Chefredakteurin.

Nun ist es fix: Der digitale Österreich-Ableger der Neuen Zürcher Zeitung wird Ende April eingestellt. Viele werden sich bestätigt fühlen, gab es doch bereits Vorzeichen – wie Michael Fleischhackers verstärkte Tätigkeit für ServusTV und nun für die neue „Quo vadis veritas“-Plattform von Dietrich Mateschitz. Genaue Abonnentenzahlen von NZZ.at wurden nie kommuniziert.

Es hieß, sie bewegten sich im vierstelligen Bereich. Es gab viele in der Branche, die dem Modell von Anfang an keine Chance gaben. Nun hat der Mutterkonzern die Konsequenzen gezogen, und vielleicht für die Schweiz und andere neue Channels daraus gelernt.

Es ist müßig darzustellen, was hier schief lief. Es ist aber wichtig, festzuhalten, dass man eigene und neue Wege des investigativen Journalismus gegangen ist. Alleine dafür gebührt der Mannschaft von NZZ.at Respekt und Anerkennung.

Medien sind heutzutage kurzlebiger denn je. Onlineportale sprießen nur so aus dem Boden, neue Medien entstehen von einem Tag auf den anderen und nicht selten mit der Basis einer Social-Web-Community als Leserschaft. Manche können sich halten, andere verschwinden wieder so schnell wie sie gekommen sind. Die Branche hat gelernt, Niederlagen rasch zu erkennen und Experimente schnell zu beenden.

Um dafür ebenso rasch Neues zu beginnen. Das ist die Konsequenz der digitalen Beschleunigung. Es muss nichts Negatives sein.Die Grundfrage stellt sich indes weiterhin: Kann man ausschließlich mit Content Geld verdienen? Inwieweit sind User bereit, dafür zu bezahlen, in Zeiten der Gratis- und Flatrate-Kulturen. Und wie viele sind es eigentlich noch, die diesen Content schätzen und einordnen können? Ist Österreich dafür als Markt groß genug? Wir wissen es nicht.

Der Fall von NZZ.at muss nicht Paradebeispiel für alle diese Konzepte sein. Es wird weitere Anläufe geben, von anderen. Vielleicht mit anderen Aspekten, zu einer anderen Zeit. Die Konzentration sollte vielmehr auf dem Einsatz liegen, auf der positiven Einstellung – anstelle von Unkenrufen, dass Verlage Experimente wagen. Denn genau diese sind es, die zwar manchmal abrupt enden – aber manchmal auch sensationell durchstarten können.

Das ist die Medienwelt, das ist unsere Branche. Sie fasziniert uns immer wieder. Und dafür lieben wir sie.

[]

Kommentare

0 Postings

Keine Kommentare gefunden!

Diskutieren Sie mit

Neuen Kommentar schreiben

* Pflichtfelder
Netiquette auf HORIZONT online