App-Fahrt in den Skiurlaub

Von Influencer Marketing über Social Media bis hin zu Virtual Reality: So nutzen Österreichs Skigebiete digitale Medien, um Kunden für den Wintersport zu begeistern auch noch in dieser Saison.

Die Verschmelzung von Mensch und Technologie hält auch auf den Skipisten Einzug: Mit der speziellen Datenbrille, die Gäste von Ski amadé vor Ort bei Intersport-Rent-Filialen ausborgen können, werden dem Skifahrer wichtige Informationen vor dem Auge eingespielt – auf einen Blick erfährt er schon während des Fahrens, welche Piste er als nächstes ansteuern sollte, welche Aussichtspunkte und Hütten in der Nähe sind oder wie sich das Wetter entwickelt.

Während im Alltag Datenbrillen wie die „Google Glass“ vom Konsumenten nicht akzeptiert wurden, stiften sie hier für den Träger einen echten Nutzen – und demonstrieren zugleich: Der Wintersport und die Bewerbung desselben werden digitaler.Das bestätigt Ulrike Rauch-Keschmann, Unternehmenssprecherin der Österreich Werbung: „Die Hälfte unserer B2C-Werbung findet bereits online statt“, sagt sie: In digitalen Vorreitermärkten wie Skandinavien liegt der Onlineanteil schon fast bei hundert Prozent.

Der wichtigste Kanal ist laut Rauch-Keschmann Facebook, wo 23 unterschiedliche Pages bespielt werden, doch auch Instagram gewinnt an Bedeutung – ebenso wie die in vielen Kreisen noch unbekannte Anwendung Steller: Ein digitales Fotobuch, auf dem die Österreich Werbung Bilder von verschneiten Alpenlandschaften mit romantischen Texten kombiniert. Twitter wiederum wird von der Österreich Werbung hauptsächlich für die B2B-Kommunikation mit Reiseveranstaltern und Journalisten verwendet.

Paul Kubalek, Verantwortlicher für Digital Media beim Tourismusverband Saalbach Hinterglemm, sieht auch Potenzial bei Snapchat – vor allem in der der Interaktion mit den Nutzern und mit Influencern. Beliebt sind laut Kubalek auf Social Media vor allem schöne Bilder sowie Wetter- und Neuschneemeldungen. Härtere Themen, etwa Pistenregeln, lassen sich schwerer kommunizieren. Kubalek nutzt hier Storytelling: Etwa wird die Bergrettung portraitiert – mit dem Hinweis, dass diese nicht ausrücken muss, wenn sich alle an die Regeln halten.

Dass Storytelling auch in weniger ernsten Themenbereich punktet, unterstreicht Marina Latini, Pressesprecherin von Zell am See-Kaprun Tourismus: In Videos werden auf Facebook etwa Piloten interviewed, die Rundflüge für Touristen anbieten. Einig sind sich Latini und Kubalek, dass optische Eindrücke in sozialen Medien besser wirken als Worte: „Wir schreiben kaum auf Facebook“, sagt Latini: „Wir setzen auf Emotionalität, und das lässt sich mit Bildern und Videos besser vermitteln.“

Zunehmend gewinnt auch Influencer Marketing für die Anbieter an Bedeutung: „Im Jänner haben wir 16 Influencer eingeladen, sie mit Storyfragmenten versorgt, ihnen ansonsten aber vollen Freiraum gelassen“, sagt Kubalek. Honorare wurden dabei nicht bezahlt, sondern lediglich die Kosten übernommen. Bei Ski amadé gibt es ein Team aus freien Mitarbeitern, die regelmäßig bloggen.

Digitaler Vertrieb

Zusätzlich zur Bewerbung der Skiurlaube in sozialen Medien wird es zunehmend Usus, dass der Kunde notwendige Buchungen zuhause online erledigt und somit im Urlaub mehr Zeit auf der Piste verbringen kann. So kann etwa in Regionen wie Saalbach Hinterglemm, Leogang und Fieberbrunn das passende Ticket im Web gebucht und auf das Smartphone geschickt werden; auch die iSki Ischgl App bietet ein Such- und ­Buchungsportal.

Und das Start-up Checkyeti ermöglicht es Skischulen, Kunden bereits vor Antritt ihres Urlaubs auf mobilen Geräten zu erreichen.  Über eine mobile Website oder App können die Kunden hier gleich Skilehrer oder Skischulen buchen, zwischen dem Start-up und dem Anbieter gibt es anschließend einen Revenue Share. In der Start-up-Show „2 Minuten, 2 Millionen“ haben die Gründer jüngst ein Investment von 700.000 Euro bekommen, das Geld soll in Produktentwicklung und Marktexpansion fließen.

Anbieterseitig ist Checkyeti in Österreich, der Schweiz und Frankreich aktiv; die meisten Endkunden kommen aus Deutschland. „In Österreich und der Schweiz decken wir derzeit 80 Prozent der größeren Gebiete ab“, sagt Stefan Pinggera, Co-Gründer von Checkyeti. In Frankreich wachse man ebenfalls stark, nun werden die Märkte in Deutschland und Italien bearbeitet. Sorge um Konkurrenz aus größeren Märkten hat Pinggera wenig: „Österreich ist zwar in vielen Punkten ein kleinerer Markt“, sagt er: „Im Wintersport sind wir aber eine Größe.“ Für den kommenden Sommer plant das Checkyeti-Team eine weitere App, die auf Sommertourismus im alpinen Raum setzt: Also etwa Anbieter von Rafting- oder Canyoning-Touren. 

Virtuelle Realitäten

Dankbar nimmt die Branche auch den Hype um die Virtual-Reality-Technologie an, die ansonsten hauptsächlich unter Videospielfans für Begeisterung sorgt: Die Zell am See-Kaprun Tourismus hat etwa letztes Jahr damit begonnen, Videos von Skifahrten im 360-Grad-Format zu filmen – zu sehen sind diese auf dem YouTube-Channel ebenso wie auf Messen, wo die Besucher mit VR-Brillen virtuell auf den Berg geschickt werden. „Das funktioniert, denn es ist ein sehr emotionales Format“, sagt Latini.

Darauf setzt auch die Österreich Werbung im Ausland: In Amsterdam wurden im Rahmen einer Out-of-Home-Kampagne Bushaltestellen mit 360-Grad-Videos erstellt, der Blickwinkel konnte von Nutzern mit speziellen Buttons gesteuert werden. Auf der Branchenmesse ITB Berlin kommende Woche soll laut Rauch-Keschmann ein interaktives 360-Grad-Video Premiere feiern, bei dem der User einen Handlungsstrang rund um das Kunsthistorische Museum in Wien steuern – findet dies bei den Kunden Gefallen, so wird das Konzept auf den Wintersport adaptiert.

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