Ungenau, abstrakt, missverständlich
Glosse von Sebastian Loudon
Unverständnis und Häme erntete der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) am Mittwoch in ersten Reaktionen von vielen Journalisten, vornehmlich auf Twitter. Anlass dafür war der Höhepunkt der Imagekampagne des Zeitungsverbandes (HORIZONT 43/2012, Seite 5). Von sämtlichen Kauftageszeitungen prangte in den jeweiligen Lettern die Frage „Was wäre die öffentliche Meinung, ohne jemanden, der sie veröffentlicht?“ Diese Frage wirft viele weitere Fragen auf: Was versteht der VÖZ unter öffentlicher Meinung? Und ist es wirklich die primäre Aufgabe von Zeitungen, ebendiese zu veröffentlichen? Anstatt womöglich kritisch zu hinterfragen? Gibt es nicht längst andere mediale Plattformen, auf denen öffentliche Meinung Veröffentlichung findet? Und ist das wirklich heutzutage der USP von Print?
Das grundsätzliche Kampagnenmotto „Steigern Sie den Wert Ihrer Meinung“ zahlt völlig nachvollziehbar auf die Leistungen von Printmedien ein, nämlich ihre Funktion als Informationsquelle, Orientierungshilfe und Plattform für Diskurs, die es dem Leser erlaubt, sich eine gehaltvollere Meinung zum Zeitgeschehen zu bilden. Doch diese Aktion ist eine riesige vertane Chance. Ihr Werbewert ist unbezahlbar, die Einigkeit, die die teils untereinander zerstrittenen Zeitungstitel im VÖZ hier demonstrieren, hat einen Seltenheitswert von ganz besonderer Dimension.
Umso unverständlicher ist es daher, dass der VÖZ diese gemeinsame Kraft für so eine unnötig keusche und gleichzeitig so missverständliche Botschaft nutzt. Printmedien leisten in ihrer Gesamtheit so viel mehr, als die öffentliche Meinung zu veröffentlichen. Das hätte sich der VÖZ ruhig trauen können zu sagen. Wann, wenn nicht jetzt und mit dieser konzertierten Großaktion?
[Sebastian Loudon]






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