Streichel den Strache

Glosse von Philipp Wilhelmer

Ja, es ist aufgefallen: Der streitbare FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die letzten beiden Interviews verstreichen lassen, ohne ein einziges Mal ein Wort über Migranten zu verlieren. Sowohl die Bühne der ORF-Sommergespräche (immerhin 817.000 Zuseher waren dabei) als auch die Sonntagsausgabe der Krone blieben ausländertechnisch unbespielt. Während ORF-Interview-Routinier ­Armin Wolf den FPÖ-Chef mit der Zange anpackte und ihm sogar vorbereitete Taferln mit offenkundig antisemitischen Karikaturen vorhielt, hatte die Zeitung es gar nicht darauf abgesehen, den FPÖ-Chef mit unangenehmen politischen Fragen zu behelligen.

Man schickte Edda Graf, eine frühere Sprecherin jener Partei, der Strache jetzt vorsteht, um für die Krone bunt ein hübsches Sommerporträt zu machen. Strache privat. Ein Streicheltiger. Ein Mann, der auch vom Heiraten träumt und seine Frau auf Händen trägt. Dass seine politischen Haudrauf-Methoden oftmals auch ein entsprechendes Echo produzieren, nimmt die künftige Frau Strache locker, erfuhr man dank der Krone. „Im Alltag sind die Reaktionen eher positiv“, verriet sie der verzückt ­wirkenden Reporterin.

Warum denn der HC so oft kritisiert wird, erfuhr man bei Armin Wolf, der sich nicht abwimmeln ließ und Strache sogar vergrößerte Davidsterne aus dessen Karikaturenfundus mitgebracht hatte. Strache blieb bestimmt, aber soft, irgendwie. Er hat derzeit anderes im Sinn, als Zwietracht zu säen, möchte man glauben: Als einer der „zehn gefährlichsten Politiker Europas“ (Copyright: Spiegel), entschuldigte er sich via Facebook sogar bei Armin Wolf, dem er unterstellt hatte, unfair Fakten zu verzerren.

Überhaupt: In Straches Rabaukenschale scheint ein bürgerlicher Heinz-Christian zu stecken, der sich nach Harmonie sehnt, wenn man den Inszenierungen glauben mag: „Er hat gerne gebügelt“, erzählte seine Tante im ORF-Porträt, das zu der Gesprächsreihe erscheint. Ein harmloser Mann aus der Mitte des Volkes ? Wohl eher geschicktes blaues Kalkül in Zeiten der PR-Krise.

[Philipp Wilhelmer]

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