Ein kleiner Ausblick auf das kommende Jahrzent (1)
Kommentar von Walter Braun
Wenn man in einer schwierigen Lage gefangen scheint, kann man oft nicht mehr tun, als sich von Lichtblick zu Lichtblick vorwärtszutasten. Die Schuldenproblematik des Westens (inklusive Japan) wird nicht so schnell weggehen, und das historisch einzigartige Ereignis einer Bevölkerung mit mehr Alten als Jungen steht uns auch noch ins Haus. Kein Wunder, dass jeder Politiker händeringend in Richtung Wirtschaft blickt und auf ein Konjunkturheil von dort hofft. Gibt es solide Zukunftsprognosen?
Einer der verlässlichsten Indikatoren ist die Demografie: Hier gibt es einen Zyklus von circa 46 Jahren, das ist die Zeit vom Beginn einer Geburtenwelle bis zum durchschnittlichen Einkommensgipfel im Alter von 47 Jahren. Sofern es genügend Jobs gibt, wäre mit dem nächsten Andrang in den Arbeitsmarkt jenseits 2020 zu rechnen.
Ein anderes Prognoseinstrument sind die Innovationswellen nach Kondratjew, die zwischen 40 und 60 Jahre währen. Diesem Modell zufolge wären wir nach den großen Durchbrüchen Internet und Mobiltelefonie nun in einer Abschwungphase. Wann ist wieder mit einem wirkungsmächtigen technologischen Durchbruch zu rechnen, der die Kraft hätte, der Wirtschaft einen Impetus zu geben? Ich habe versucht, den Kondratjew-Zyklus zu verfeinern, und meinen Berechnungen zufolge sollte das nächste Innovationsfeuer so um das Jahr 2023 herum zünden.
Das heißt, zehn zähe Jahre sind das wahrscheinlichste Szenario. Warum ist es gut, das heute schon zu wissen? Um nicht auf falsche Propheten mit irrationalen (also schuldenbasierenden!) Wachstumsfantasien hereinzufallen. Trotzdem sind in der heutigen Zeit zehn Jahre eine kleine Ewigkeit. Konsumtrends wird es ohnehin geben, egal wie lausig die Konjunktur ist. Hier ist interessant zu beobachten, wie lange es im Durchschnitt dauert, bis eine neue technische Möglichkeit weltverändernde Ausmaße erreicht. Napster startete 1998 mit dem Ziel, MP3-Musikfiles über das Internet zu tauschen (sprich, zu klauen). Drei Jahre später wurde gerade einmal ein Prozent der verkauften Musik über digitale Kanäle abgesetzt, doch 2012 sind es global erstmals über 50 Prozent.
Wenn wir ein ähnliches Zeitraster bei Büchern anlegen, dann wäre 2007 der Start des E-Books und 2021 der zu erwartende große Durchbruch. Sicher sind Tablets und E-Reader teuer, aber in den USA wird bereits heuer (!) die Hälfte aller verkauften neuen Bücher papierlos sein.
Das nächste für den digitalen Direktvertrieb fällige Medium ist Video. Allem Bandbreitenkummer zum Trotz wurden heuer in den USA erstmals mehr Filme online konsumiert als via DVD. Bis 2016 sollte das Verhältnis bereits 2:1 betragen.
Das also wird die Medienbranche in den kommenden Jahren antreiben: sämtliche verfügbaren Inhalte digital auf Knopfdruck erhältlich zu machen. Da sich internetfähige Smartphones in der gesamten Welt ausbreiten und global die Mittelschicht wächst, dürften dem Content-Markt gute Zeiten bevorstehen. Und Übersetzer gefragt sein! (Fortsetzung folgt.)







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