Ausblick auf das kommende Jahrzehnt (2)

Kommentar von Walter Braun

Letztes Mal lag das Augenmerk auf digitalen ­Kreativprodukten, die einen globalen Absatzmarkt vorfinden werden. Ähnliches gilt für Roboter. Bis dato kamen sie ausschließlich in der ­Industrie zum Einsatz, dabei händische Arbeit langsam aber nachhaltig ersetzend. Was sich nun in den Vordergrund drängt, sind Service-Roboter (also nicht-industrielle Anwendungen). Hier ist ein großer Durchbruch zu erwarten, wenn die nächste Robo-Generation mit Sensoren und genügend künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, um sich in der Realwelt vorwärtsbewegen zu ­können. Nachdem die Komponenten immer ­billiger werden, ist mit zunehmend blecherner Konkurrenz zu rechnen – nicht gerade günstig für Jobsuchende (ein Roboter, der rund um die Uhr das ganze Jahr lang im Einsatz ist, kann vier bis fünf Arbeitskräfte ersetzen, braucht zur Wartung aber höchstens eine halbe Arbeitsstelle). Zimmer reinigen, Rasen mähen, Auto fahren, Flugzeuge fliegen, U-Bahnen lenken, Lager betreuen oder in Spitälern den Patienten ihre Medizin bringen – überall sind bereits mechanische Helfer im ­Einsatz.

Ähnlich beeindruckend erscheint das Potenzial von generativer Herstellung: Druckgeräte bauen aus mikroskopischen Partikeln Schicht um Schicht Metall- oder Plastikformen auf. Das ­Magazin Wired brachte es in seiner jüngsten ­Titelgeschichte auf den Punkt: „Diese Maschine wird die Welt verändern.“ Chefredakteuer Chris Anderson prophezeit in seinem brandneuen Buch „Makers: The New Industrial Revolution“ (Verlag Crown Business), dass eine Welle von Heimbastlern die nächste industrielle Revolution antreiben wird. Das ist eher unwahrscheinlich; vielmehr gehen Designer daran, bestehende ­Produktideen in immer originelleren Formen umzusetzen – von einer Kaffeetasse mit Stacheln bis zu einzigartigen Lampenschirmen.

Die Industrie jedenfalls springt voll auf. Bei BMW etwa ist der übliche Testzyklus von Prototypteilen dank 3D-Printing um 90 Prozent schneller (und um über 50 Prozent billiger) ausgefallen. Kein Wunder, dass der Absatz dieser Systeme in den vergangenen fünf Jahren explodiert ist (plus 35.000 Prozent). Es ist also absehbar, dass mithilfe generativer Fertigung neue Produkte in ­immer rascheren Zyklen auf den Markt drängen werden.

Die Schattenseite: Der Umstieg auf die Digitalwelt ist oft mit fallenden Preisen und schrumpfenden Profitmargen verbunden. Viele kreative Lieferanten sind schlecht bis gar nicht bezahlt. Das spiegelt sich natürlich am Arbeitsmarkt wider: Eurostat berichtet, dass in Griechenland und ­Spanien nur jeder zweite Schulabgänger auf eine Arbeitsstelle hoffen kann – 50 Prozent der Jungen ohne Jobaussichten sind verdammt viel, und auch der EU-Schnitt mit 20 Prozent ist zu hoch. Kein Wunder, dass die in Luxemburg ansässige Zahlenhochburg vor Kurzem eine Schätzung veröffentlichte, wonach die ökonomische Lage in Europa zumindest bis 2020 schwierig bleiben würde.

Umso wichtiger also, sich auf zukunftsträchtige Branchen zu konzentrieren. (Fortsetzung folgt.)

[Walter Braun]

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