Zunehmend wachsen Wände im Web …
Dieser Tage kam das US-Magazin „Rolling Stone“ mit einer neuen Website auf den Markt, die sämtliche Ausgaben der 43 Jahre alten Musikillustrierten online zugänglich macht.
Dieser Tage kam das US-Magazin „Rolling Stone“ mit einer neuen Website auf den Markt, die sämtliche Ausgaben der 43 Jahre alten Musikillustrierten online zugänglich macht. Ein Leckerbissen, der sicherlich etwas Geld wert ist. Konkret: vier Dollar pro Monat, 30 Dollar für ein Online-Jahresabo. Aktuelle Nachrichten bleiben weiterhin gratis, aber das vollständige Magazin ist künftig nur noch Zahlern zugänglich, die automatisch auch die gedruckte Ausgabe erhalten.
Es sind die stärksten (und stolzesten?) Medienmarken, die vorpreschen und rund um ihre besten Inhalte sogenannte Paywalls hochziehen. Der Grund: Selbst gut frequentierte Web-Adressen vermögen es nicht, Werbetreibenden dieselben Gebühren abzuknöpfen wie bei gedruckten Magazinen. Zurzeit sind Zahler im Web in der Minderheit. Die Majorität der Online-Medienbesitzer verharrt vorläufig im Beobachtungsstatus, beeindruckt vom weit verbreiteten Urteil, Abogebühren wären der schnellste Weg, Leser loszuwerden. Aber irgendwann werden sie eine Entscheidung treffen müssen, da dies ansonsten die Investoren bzw. kreditgebenden Banken tun.
Das merkte dieser Tage Marc Andreessen, seinerzeit berühmt und reichgeworden als Erfinder des Netscape Browsers. Sein jüngstes Projekt war im Grunde einfach und zeitgerecht: Ning.com erlaubt es jedem Interessenten, kostenfrei ein soziales Netzwerk zu einem beliebigen Thema einzurichten. Die Nachfrage ist vorhanden, allerdings nicht genügend Einkommen, um die angeblich über hundert Millionen Dollar an Investitionen zu rechtfertigen. Deshalb ist nun Schluss mit gratis; für jede Leistung wird künftig eine monatliche Gebühr fällig (ebenso, wenn man die vorgegebenen Anzeigen durch eigene ersetzen möchte). Wer sich nicht upgraden lassen will, kann sein Netzwerk packen und gehen.
Gratis oder nicht ist nicht länger eine Frage der tiefen Taschen und des langen Atems. Bebo, eine Social-Network-Site mit großem Erfolg unter Großbritanniens Teenagern, ist vor zwei Jahren vom Riesen AOL völlig überteuert um 850 Millionen Dollar eingekauft worden. Falls sich kein Käufer einstellt, wird die Site demnächst geschlossen. Bebo war 2005 gegründet worden und balgte sich bald mit der damals populären US-Site MySpace um den ersten Rang. Doch mit dem Siegeszug der neuen Nummer eins war die Erfolgsgeschichte rasch zu Ende: Im Oktober 2008 hatte Facebook 15 Millionen und Bebo knapp sechs Millionen aktive Nutzer im Vereinigten Königreich; heute kann Facebook mit über 23 Millionen Mitgliedern prahlen, während Bebo unter zwei Millionen gefallen ist.
Daraus lässt sich ablesen, dass das Gratis-Modell im Web nur bei der Nummer eins und bestenfalls Nummer zwei im jeweiligen Markt/Segment funktioniert, während Nischenanbieter nicht länger hoffen können, sich alleine durch Werbeeinnahmen über Wasser zu halten. Online-Medien, die es nicht schaffen, entweder werbeattraktive Reichweitenkaiser zu werden oder ihre Inhalte so einzigartig zu halten, dass sie bezahlenswert sind, sehen ihrem Ende entgegen …






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