Wie gefährlich ist unsere digitale Parallelwelt?
Das Magazin "Economist" gab sich kürzlich betont forsch: „Computer und das Internet haben die Wirtschaft transformiert.
Das Magazin "Economist" gab sich kürzlich betont forsch: „Computer und das Internet haben die Wirtschaft transformiert. Aber die Ausbreitung der Digitaltechnik hat einen Preis: Sie gibt […] Gesellschaften einem digitalen Angriff preis. Die Gefahr ist komplex, vielschichtig und potenziell sehr groß.“
Es existieren keine Regeln, wie mit Konflikten im Cyberspace umgegangen werden soll. In NATO-Kreisen debattiert man, unter welchen Voraussetzungen ein Cyber-Angri als „bewaffneter Überfall“ einzuschätzen wäre. Doch die Öffentlichkeit erfährt selten von solchen Überlegungen. Im Internet wird ständig gewildert, geklaut und in private Computeranlagen eingebrochen. Geheimdienste stecken dahinter, das organisierte Verbrechen, Unternehmensspionage, gewöhnliche Diebe und Spinner mit Hacker-Begabung.
Einige Länder haben begonnen, regelrechte Cyber-Armeen aufzubauen. Die üblichen Verdächtigen sind Russland und China, doch auch kleinere Nationen mischen mit – etwa der Iran, Nordkorea und Israel. Die schlimmsten Digitalfinger aber sind die Verteidigungsbehörden NSA in den USA und das GCHQ in Großbritannien. Da sich ein Großteil der Computernetze, die das Web ausmachen, in Privatbesitz befindet, sind Unternehmen besonders betroffen.
Wir kaufen routinemäßig Computer-Hardware, die in China gefertigt wurde – ohne zu wissen, ob nicht bestimmte Teile manipuliert wurden, die es erlauben würden, aus der Ferne Zugang zu Online-Netzwerken zu finden. Tatsache ist jedenfalls, dass ein immer größerer Anteil unseres Wohlstandes in digitaler Form existiert: Geld, private Daten, Copyright-geschützte Inhalte und so weiter.
Einem Zitat von US-Präsident Obama zufolge könnte der Verlust infolge von Cyber-Verbrechen im vergangenen Jahr 1.000 Milliarden Dollar betragen haben. Täglich werden 140 Milliarden E-Mails versandt, fast 90 Prozent davon sind Spam. Nicht alles harmlose, lästige Werbung: 16 Prozent des Spams beinhalten Abzockversuche. Schätzungen zufolge könnten global bis zu 100 Millionen Computer mit Schadsoftware infiziert sein. Die "New York Times" gab bekannt, dass es auf ihrer Website einen Versuch gegeben hat, böse Software über Online-Werbung zu verbreiten.
Besonders Social-Networking-Sites sind kritisch und verwundbar. Im Mai sagten Behörden in Spanien, sie wüssten von 12 Millionen kompromittierten Computern, die Zugang zu Kreditkarten- und Bankdetails erlauben. Diverse Trends spielen Cyber-Verbrechern in die Hände, etwa, dass zunehmend Aufträge und Programme ausgelagert werden (Stichwort Cloud-Computing); ferner wollen Mitarbeiter von unterwegs auf Unternehmensdaten zugreifen, detto Sub-Unternehmen.
Je mehr Zugangswege zum Netz existieren, umso mehr Eingriffsmöglichkeiten entstehen. Laut einer Erhebungvon Symantec registrierten 75 Prozent der von ihnen untersuchten Unternehmen im vergangenen Jahr einen Cyber-Angriff. Es könnte also sein, dass ganz ordinäre Wirtschaftskriminalität viel bedrohlicher ist als das Gerede über einen „Cyber-Krieg“ …
Walter Braun






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