Vorsicht trotz Erfolg

Kommentar von Clemens Coudenhove.

Die durchaus positiven Halbjahresergebnisse (2,5 Prozent Wachstum) der weltweit größten Werbeholding WPP, die am 24. August veröffentlicht wurden, waren für den quirligen CNN-Moderator Richard Quest („Quest means Business“) ein willkommener Anlass, den obersten Werberitter, WPP Boss Sir Martin Sorrell, über den Zustand der Weltwirtschaft zu befragen. Obwohl „Bestätigungen einholen“ wahrscheinlich angebrachter wäre.

Erstaunt zeigte sich Sorrell über die „Erholung der traditionellen Medien“ in den USA (was genau er damit meinte, verschwieg er), aber „in the long run“ ermutige ihn diese Entwicklung nun ganz und gar nicht, „da sich die Welt einfach viel langsamer bewegt“. Und Sorrell hatte natürlich auch einen Grund dafür parat. Das Lehmann-Brothers-Wochenende vom September 2008 habe sich ins Bewusstsein der meisten CEOs global agierender Unternehmen eingebrannt. Unsicherheit sei das Gift für die Weltwirtschaft, die heutzutage viel konservativer gelenkt werde als noch vor dem September 2008.

Sorrell gab irgendwie zu verstehen, dass auch er selbst – hätte es den Lehmann-Schock nicht gegeben– mit Richard Quest etwas konkreter über die zukünftige Wirtschaftsentwicklung geplaudert hätte. Er bezeichnete seine WPP auch als eine Art Lebensmittelkette, die Journalisten monatlich über den Zustand der Weltwirtschaft informieren müsse. Aber eher ungern, da man sich in der Post-Lehmann-Crash-Ära doch ein wenig zu oft geirrt hätte.

Anlass für Optimismus bieten für Sorrell nur die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sowie die sogenannten „Next-Eleven-Staaten“(© Jim O’Neil von Goldman Sachs), bevölkerungsreiche Länder wie Mexiko, Vietnam oder Kolumbien, die in den nächsten Jahren einen ähnlichen Aufschwung erleben könnten wie BRIC.

Sprung nach Deutschland: Dort präsentiertedie RTL-Gruppe ihre Halbjahreszahlen, die ein Rekordergebnis bedeuten: Nach einem Verlust von 62 Millionen Euro in der ersten Jahreshälfte 2009 nun also ein Gewinn von 308 Millionen Euro– nach einem massiven Sparprogramm. RTL Group-Chef Gerhard Zeiler, der gerade seinen Vertrag bis 2015 verlängert hat (Seite 2), ist dementsprechend optimistisch und spricht von einem deutlich besseren Jahresergebnis 2010. Das große Fragezeichen ist allerdings das für TV-Konzerne so wichtige 4. Quartal, Stichwort Weihnachtsgeschäft. Und diesbezüglich müssen Prognosen heuer besonders mit Vorsicht genossen werden. Denn immer öfter wird einfach Bargeld geschenkt, was zahlreiche Umfragen in den letzten Jahren ergeben haben.

„There are no facts about the future“, betonte Sir John Hegarty, Kreativchef der britischen Agentur Bartle, Bogle, Hegarty, bei seinem Vortrag Mitte April in Wien. Auch wir Journalisten sollten uns diesbezüglich zurücknehmen und unsere Gesprächspartner weniger zu Zukunftsprognosen drängen. Egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

[Clemens Coudenhove]

Horizont Access

Hier suchen Sie mit einer Anfrage synchron in drei Datenbanken: im HORIZONT Archiv, im Netzwerk von Creative Society und im Werbealmanach online.

Creative Society

Werbealmanach

    Kommentare

    Kommentar eingeben 0 Postings

    Kommentar hinzufügen

    * Pflichtfelder
    Netiquette auf HORIZONT online
    Termine©Shutterstock
    Termine & Events

    Veranstaltungen


    Der neue Bestseller

    Bestseller 3-4/2012

    HORIZONT jobs©Shutterstock
    HORIZONT Jobs

    DER Stellenmarkt

    © Shutterstock
    Digital Insider

    Michael Weberberger