Von der Print- zur Multimedia-Marke

Die Zeitungsverlage auf der Suche nach ihrer neuen Position.

Die Zeitungsverlage auf der Suche nach ihrer neuen Position.<STOP<P>

 

"Das Internet darf uns keinesfalls beibringen, was eine Community ist", erklärt Werner Nienstedt, Geschäftsführer der Handelsblatt-Gruppe bei der von Standard-Chefredakteur Gerfried Sperl moderierten Diskussion zur Zukunft der Tageszeitungen. Weitere Teilnehmer waren Andreas Unterberger, Chefredakteur Die Presse, Peter Rabl, Herausgeber und Chefredakteur Kurier, Rudolf Cuturi, Herausgeber OÖN, Hans von Viereck, Süddeutsche Zeitung, Michael Rzesnitzek, Financial Times Europe, und Michael Meyer-Böhm, Verlag Hamburger Abendblatt.

Statt Evergreens sind Tageszeitungen eher Trendsetter. Ihre Stärke auch in der Zukunft wird untermauert: Trotz sinkender Auflagenzahlen boomen die Anzeigenerlöse. Die Herausforderungen in Richtung Neupositionierung angesichts eines sich dynamisch wandelnden medialen Umfeldes nehmen allerdings zu. Viele Vorleistungen haben die Tageszeitungen bereits erbracht. Etwa Veränderungen in Themen und Tonalität, neue Layouts und die Werbeauftritte, die sich den Regeln der Markenprodukte angenähert haben. Qualitätszeitungen zählen zu den Wachstumschampions. Angst vor dem Internet hat keiner der Diskutanten – entgegen der gestrigen Voraussagen von RTL-Chef Hans Mahr, daß die Tageszeitungen eher unter dem New Media-Boom zu leiden hätten als TV. Meyer-Böhm ergänzt: "Bisher hat nur ein Medium ein anderes ersetzt: der Tonfilm den Stummfilm." Und wenn es das Internet nicht gäbe, hätte man es für die Belebung der Tageszeitungen erfinden müssen.

Michael Rzesnitzek, Vertreter der bisher einzigen Tageszeitungsgründung im Zeitalter des Internet, skizziert die Bedeutung der Entwicklung von Print- zu multimedialen Marken durch den Transport redaktioneller Kompetenz auf neuen medialen Channels (interaktive Online-Dienste, mobile Devices).

In einem sind sich die Vertreter der Printmedien einig – die Kleinanzeigen wandern ins Internet. Peter Rabl fordert sogar die "gnadenlose Selbstkannibalisierung" der Tageszeitungen in diesem Bereich. Was den Anteil der Tageszeitungen am nationalen Werbekuchen betrifft, kündigt Rabl allerdings ein "Verteidigen mit Zähnen und Klauen" an und münzt dies gegen die elektronischen Medien und den jüngsten ORF-Versuch, die Werbezeiten auszuweiten.

Die Tageszeitungen haben aber auch Zukunftsvisionen: etwa die, daß in jedem Haushalt ein Farbdrucker steht, aus dem vor dem Frühstück die persönliche, digitale Tageszeitung kommt, daß sich Verlags- zu Medienhäusern entwickeln werden müssen, d.h. "sich nach anderen Geschäftsfeldern" umsehen werden müssen (Cuturi) und daß die Online-Portale der Tageszeitungen zunehmend eine Web-Guide-Funktion übernehmen werden. (spr)

Weitere Fotos zu den Medientagen finden Sie hier

 

 

 

 

 

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