Skinheads als Lektion
War das eine Woche!
War das eine Woche! Wüste Manipulations-Beschuldigungen, versuchte polizeiliche Beschlagnahmungen am Küniglberg, gegenseitige Klagen – der ORF geriet in ein wildes Gefecht mit FPÖ, Polizei und Staatsanwalt. Nicht ganz unschuldig, wie viele meinen. Losgelöst von der Frage, ob der „Schauplatz“-Redakteur Ed Moschitz tatsächlich die rechten Recken dazu angestiftet haben soll, „Sieg Heil“ zu rufen (diesbezüglich wurde der ORFvon einem der beiden Protagonisten am „Schauplatz“ zwischenzeitlich entlastet), so wirft dieser „Fall“ eine delikate Frage auf, mit der sich Journalisten ständig konfrontiert sehen – oder vielmehr konfrontiert sehen sollten: Wie stark darf ich als Journalist inszenierend in den Gegenstand der Reportage eingreifen, ohne dabei die Wirklichkeit zu verfälschen– vulgo zu manipulieren?
Und natürlich stellt sich diese Frage in politisch relevanten Reportagen ganz besonders. Wenn ich Skinheads dafür bezahle, Skinheads zu sein, sie in einem Army-Shop ausstatte und mit dem ORF-Bus nach Wiener Neustadt fahre – wie sehr wird die Reportage dann zur Inszenierung? Das ist keine einfach und pauschal zu beantwortende Frage. Und es ist interessant, wie unterschiedlich die Reaktionen aus der Fachwelt und dem Kollegenkreis sind. Während die einen empört sind, greifen sich andere ob der heuchlerischen Aufregung an den Kopf und meinen: „Ohne Agentprovocateur geht doch überhaupt nichts!“
Vom ZDF hört man, eine solche Vorgehensweise wäre undenkbar. Der Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell wiederum eilt dem ORF zuhilfe: „Die Frage, wie sehr man in die Authentizität eingreift, wäre ja schon gegeben, wenn ich mit einer Kamera auftauche.“ Zweifellos hat er damit grundsätzlich recht, aber so leicht darf es sich ein öffentlich-rechtliches Medienunternehmen nicht machen. Derzeit werden im Auftrag des Kaufmännischen Direktors Richard Grasl sämtliche Zahlungsflüsse im Magazinbereich untersucht. Das ist richtig so, und dem ORF beziehungsweise seinen Journalisten ist zu wünschen, dass er diesen Fall zum Anlass nimmt, einmal grundsätzlich und in die Tiefe gehend zu überdenken, ob und wie weit sich Journalisten ihre Reportagen selbst gestalten dürfen. Wenn das passiert, hat diese ganze Geschichte sogar ihr Gutes.






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