Paid Content und trotzdem gratis

Die Freecent AG tauscht Micropayment gegen Werbeaufmerksamkeit

München/Wien. Es haben die meisten Verlagshäuser noch nicht einmal richtig mit Paid Content angefangen, da gibt es auch schon die ersten pfiffigen Angebote, die den Übergang von Ganz-Gratis zur Totalsperre im Netz für alle Beteiligten -sagen wir- „erträglicher„ machen. Mit einer solchen Win-Win-Win-Idee ist  Christoph Pietzsch - ehemals bei Nestlé und Vöslauer in Wien - nun mit seinem eigenen Unternehmen Freecent in München Jahr gestartet. Sein Ansatz: Geld gegen Zeit. Das heißt ein User hat die Wahl, entweder für den Content eines Online-Mediums zu zahlen, oder seine Aufmerksamkeit für einen kurzen Werbespot zur Verfügung zu stellen und die Inhalte dafür gratis zu konsumieren. Im Detail sieht das Geschäftsmodell wie folgt aus: Entscheidet sich der User für den Gratiskonsum von Inhalten, bekommt er auf einer Microsite einen normalen 20-Sekunden-TV-Spot präsentiert mit der Aufforderung ihn aufmerksam zu verfolgen, da im Anschluss inhaltliche Fragen gestellt werden. Nach Ende des Spots gilt es eine Fragen über den Spot per Click zu beantworten. Ist die Antwort falsch, wird der Spot wiederholt. Bei vollständigem richtig ausgefüllten Fragebogen wird der Zugang zum gewünschten Content freigeschalten. Ob dies ein einziger Artikel im Bereich von 20 oder 50 Cent ist, ein 24-Stunden Vollzeit-Access zu allen Inhalten oder gar ein 7-Tages Online-Abo bleibt dabei der Ausgestaltung des Verlages offen.

Win-Win-Win-Win-Modell

Die Vorteile dieses Freecent-Modells teilen sich auf alle Geschäftsparnter auf: Online-Anbieter, Werbekunde, Freecent und User. „Für das Online-Medium bietet Freecent eine zusätzliche werbliche Einkommensquelle an, ohne auf den Einstieg ins Paid Content-Geschäft - und damit einer Einführung eines zweiten Erlösstandbeins - verzichten zu müssen“, erklärt Freecent-Gründer Christoph Pietzsch. Wobei sein Ansatz eigentlich eher auf dem Fakt beruht, dass die Bereitschaft der User, für Online-Inhalte zu bezahlen, bis dato noch nicht sehr groß ist. Außerdem schrecken seiner Ansicht nach viele davor zurück, vertrauliche Bankdaten oder ihre Kreditkartennummer für die Zahlung von Kleinstbeträgen anzugeben. Mit Freecent wird die physische Bezahlung praktisch untergraben, das Geld über Umwege lukriiert.
Für den Werbekunden bietet die aktive Beschäftigung mit dem Spot eine um vieles höhere Aufmerksamkeit und damit nachhaltigere Erinnerungsleistung und Wirksamkeit, so die Argumentation von Freecent. Stichwort Bannerblindheit. Allein die Conversial Rate spricht für sich: „Bei einer Kampagne für O2 haben 26 Prozent der Freecent-Nutzer danach freiwillig ihre Adressdaten angegeben, mit der Bitte einen Newsletter des Werbepartners zu beziehen„, beschreibt Pietzsch. Im übrigen könne der Fragebogen im Anschluss an den Spot auch für eine Meinungs- oder Imageumfrage genutzt werden.
Und was hat Freecent davon? Monetäre Anteile am eingesetzten Budget. Der Werbekunde bezahlt die Summe x an Freecent, das mittlerweile 8-köpfige Team behält davon „einen zweistelligen Prozentsatz“, wie es Pietzsch nennt, ein, der Rest wird sozusagen „abgearbeitet„. Das heißt: pro User wird ein bestimmter Betrag festgelegt, quasi der journalistische Gegenwert, mit dem er für seine Aufmerksamkeit beschenkt werden soll, das können 20 Cent pro User sein oder 3 Euro. Die Kampagne läuft also so lange auf einem Medium bis das Budget „aufgebraucht“ ist. Die Kernkompetenz von Freecent liegt jedoch eigentlich nicht in der Akquisition von Werbepartnern, sonder vielmehr in der Technik - hier allen voran in der Vergabe von Lizenzen.

Für epapers bis Webmiles

Obwohl erst heuer mit der aktiven Marktbearbeitung begonnen, kann Freecent bereits erste Referenzprojekte vorweisen. In Kürze wird sich zum Beispiel das deutsche Branchenfachmagazin Werben & Verkaufen bei der Monetarisierung ihres epapers an Freecent versuchen, ebenso der Ingolstädter Donaukurier. Aus eigenen Reihen haben bereits das Wirtschaftsblatt und der Wiener News Verlag Interesse bekundet.
Relevant sei Freecent allerdings nicht nur für Medienhäuser, sondern zum Beispiel auch für den Online-Gaming-Bereich. „Da werden dann statt journalistische Inhalte Gaming-Produkte in den Ring geworfen, wie ein neues Schwert oder ein neues Schild als Gegenwert für die Aufmerksamkeit„, so der Freecent-Gründer. Bei einer Kampagne für O2 in Deutschland wurden zum Beispiel Webmiles gutgeschrieben.

Jetzt, nachdem das Konzept und die Software auf sauberen Füßen steht, bleibt eigentlich nur eines: Hoffen auf den Erfolg der Early Adapter und in weiterer Folge auf viele Nachahmer.

 

 

 

[Doris Raßhofer]

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