Mediaprint ohne Franz Prenner?

"Österreich" meldet am 1.10. einen Abgang, den es so - noch - nicht gibt.

Bei Franz Prenner, der erst im Frühjahr von einem schweren Unfall erstaunlich schnell wieder genesen ist, fällt es schwer, das Bild zu gebrauchen, aber es muss sein: Totgesagte leben länger! In der Ausgabe vom 1. Oktober der Hybrid-Tageszeitung "Österreich" steht unter „Krone ohne Chef“ – „Prenner nach 2 Jahren out“, dass Franz Prenner, in der Geschäftsführung der Mediaprint neben Thomas Kralinger und Bernhard Schneider für Marketing und Anzeigen zuständig, mit 1. Oktober den Medienkonzern verlassen hätte.


Das ist so nicht ganz zutreffend, Prenner weilt bis 9. Oktober beim „Golden Drum Festival“ in Portoroz – und das in seiner Eigenschaft als Mediaprint-Geschäftsführer. Kommentieren wollte der Konzern sonst nichts.


Dass in der Mediaprint, mit zuletzt im "Standard"-Medienhäuser-Ranking gemeldeten 485 Millionen Euro Umsatz (2007/2008), einiges „im Umbau“ ist, dokumentierte zuletzt ein Interview im Standard mit dem Eigentümervertreter der WAZ, Christian Nienhaus – der schlug eine Mediaprint mit nur einem Geschäftsführer vor und bestätigte da auch indirekt, dass der Jahresgewinn des Medienkonzerns von knapp 40 Millionen auf zuletzt 18 Millionen gesunken wäre.


Am 22.09. fand ein Gesellschafter-Ausschuss der Mediaprint statt, bei dem, so ist zu hören, „ein Sparprogramm“ für den zuletzt 1880 Mitarbeiter zählenden Konzerns aufgelegt wurde. "Österreich" begründet den – möglichen – Abgang Prenners mit „…wird für den Anzeigenrückgang der "Krone" verantwortlich gemacht“.


Naja. Laut Focus-Zählung der Brutto-Spendings 1-7 2009 liegt die "Krone" bei den Raumanzeigen (die in etwa das halbe Umsatzvolumen des Kleinformats ausmachen) mit Brutto 97,3 Millionen Euro nominell um 2,2 Prozent unter dem Wert für die Monate 1-7 2008 (Der "Kurier", der einen ähnlich hohen Anteil im Rubrikengeschäft hat, liegt bei den Raumanzeigen um 19,2 Prozent unter dem Vorjahreswert). Für den gleichen Zeitraum weist Focus nominell -1,4 Prozent für das Segment Tageszeitungen gesamt aus.


Mit Franz Prenner jedenfalls verfügt die Mediaprint über einen der profiliertesten und kundigsten Kommunikationsprofis des Landes, der in seiner Wirkungszeit von knapp zwei Jahren sehr aktiv dem monolithischen Konzern und insbesondere der "Krone" ein Antlitz verlieh. So unbestätigt und unkommentiert seitens des Konzerns die Meldung zu Prenner sind – Franz Prenner ist das glückliche Händchen zu wünschen, das auch der Tüchtige braucht, und dem Konzern, seine Häutung möglichst schnell und für den Werbemarkt transparent zu vollziehen.

[Herwig Stindl]

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