Cui bono?

Editorial von Dagmar Lang.

Der von mir überaus geschätzte "profil"-Chefredakteur Herbert Lackner hat mit seinem jüngsten Leitartikel „Die Unschuldsvermuter“ in einem völlig recht: Die aufgeregten Schreier, die von „links-linken Jagdgesellschaften“ und „notorischen Haider-Hassern“reden, sind unerträglich. Reime wie „Die Jäger, die den Haider schinden/total im Blutrausch sich befinden“ gehen ebenso an der Realität vorbei wie die völlig unreflektierten Berichte über angebliche Haider-Konten und Geldflüsse der absurdesten Art.

Bei aller Ehrfurcht vor guten Geschichten (und eine solche ist sie allemal, wenn sie eine der wichtigsten Voraussetzungen erfüllt, nämlich wahr zu sein) schaffen es die „Aufdeckerjournalisten“ dieses Landes nicht mehr, jenen Grundsatz zu beherzigen, den Alfred Worm gepredigt hat, nämlich zuerst einmal zu hinterfragen, wo die Geschichte herkommt und wem sie dienen könnte.

Cui bono? Zu Deutsch: Wer hatden Nutzen davon? Ist es keine Überlegung wert, zu fragen, warum Gadda und Saddam Hussein ausgerechnet einem Politiker eines so unbedeutenden Landes wie Österreich Geld zukommen haben lassen? Und wenn schon dem Zwergenstaat, warum ihm und nicht den beiden Großparteien? Cui bono? Und warum eine Staatsanwaltschaft seit Februar (!) im Besitz des Meischberger’schen Tagebuchs ist und nichts unternimmt. Cui bono? Denkt irgendjemand nur eine Sekunde darüber nach, wie man auf der englischen Tastatur Dr. Jörg Haider schreiben kann, wo es doch die Umlaute auf dieser eigentlich nicht gibt? Kommt es niemandem in einer erfahrenden Politik-Redaktion komisch vor, dass ein Aktenvermerk tatsächlich den Hinweis „Top Secret“ trägt, so wie der kleine Maxi sich das vorstellt?

Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, ob diese Geschichten stimmen, ob das Tagebuch ein Köder ist, oder es tatsächlich Gelder von Gadda und Saddam an Haider, das BZÖ oder alle Parteien gegeben hat, aber ich halte es für die journalistische Sorgfaltspflicht, solche Geschichten nicht unreflektiert zu bringen, zu hypen und sich so von Leuten benutzen zu lassen, die aus welchen Gründen auch immer großes Interesse an dieser Vernebelungsaktion haben. Spindoctoren heißen die Damen und Herren hinter solchen Aktionen, und die heimischen Medien sind ein dankbares Opfer.

Dazu passt übrigens auch die von fast allen Zeitungen groß gespielte Geschichte, dass man in der Skylink-Affäre jetzt endlich einen Schuldigen für das Desaster gefunden hat: den ehemaligen Projektleiter, der sich– ja pfui Teufel auch mal – Fenster für sein Eigenheim hat billiger geben lassen. Der arme Tropf hat damit sein Leben ruiniert, und die Medien tun so, als wäre man in der Flughafenaffäre einen Schrittweiter. Cui bono? Und denkt irgendeiner auch mal nach, bevor er was zu Papier bringt? Herbert Lackners Leitartikel war jedenfalls einmal ein Schritt in die richtige Richtung. Offensichtlich spürt auch er dieses Unbehagen,weshalb er minutiös auflistet, was an den Vorwürfen schon bewiesen ist. An den unbewiesenen ändert das allerdings nichts. Cui bono? Wenn die Spindoctoren ganze Arbeit geleistet haben, werden wir das nie erfahren.

Mag. Dagmar Lang, MBA

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