So können Agenturen die DSGVO nutzen

    Von den strengeren Regeln der EU-Datenschutzgrundverordnung können Agenturen und ihre Kunden auch profitieren, sagt Siegfried Stepke, CEO von e-dialog. Etwa durch gestärktes Vertrauen der Kunden und bessere Daten.

    Dieser Artikel ist zuerst in der Print-Ausgabe des HORIZONT, Ausgabe 42, erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

    Mit Unbehagen blickt die Branche auf den Mai kommenden Jahres, wenn die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft tritt – denn ab dann werden Unternehmen zu einem sorgsameren Umgang mit den Daten ihrer Kunden gezwungen, bei Zuwiderhandeln drohen empfindlich hohe Strafen. Von vielen Agenturen wird hier hauptsächlich das Mehr an Arbeit gesehen, ohne Nutzen für das eigene Geschäft – es gibt aber auch andere Stimmen: „Ich finde, dass der Zwang, sich ohne Wenn und Aber dem Thema widmen zu müssen, der Branche gut tut“, sagt Siegfried Stepke, CEO von e-dialog. Dafür nennt er zahlreiche Gründe.

    Etwa schaffe die DSGVO ein Bewusstsein für das Thema, was zum Ausmisten diverser Unsauberkeiten führe – zum Beispiel jahrealte Code-Zeilen in den Produkten, die oft von einem längst gekündigten Programmierer stammen, keinen Zweck mehr erfüllen, aber eine Sicherheitslücke für die Daten der Konsumenten darstellen. Dabei gehe es darum, bestehende gute Unternehmen besser zu machen, indem die fit in Sachen Datenschutz gemacht werden, betont Stepke. Profitieren werden die Unternehmen auch davon, wenn sich im Zuge der Bereinigung die Datenqualität verbessern wird – und sie somit noch gezielter werben können. „Denn wenn das Fundament nicht passt, kann man darauf kein Hochhaus bauen“, sagt Stepke: Auch neuere Technologien wie Machine Learning bauen auf sauberen Daten auf.

    Wem gehören die Daten?

    Außerdem werde das Thema „Data Ownership“ in Österreich noch nicht ausreichend wahrgenommen: Denn wenn das Unternehmen die Daten der Konsumenten nicht nutzen darf, entstehen starke Wettbewerbsnachteile – und im schlimmsten Fall drohen rechtliche Konsequenzen. Hier ist es nötig, nicht nur die jeweiligen Genehmigungen der Endkunden einzuholen, sondern auch zu prüfen, ob die Verträge mit allen vorhandenen Dienstleistern sauber sind. Die besagten Verträge müssen laut Stepke bei Bedarf neu aufgesetzt werden; auch ist anzudenken, den Adserver nicht bei der Agentur, sondern direkt beim Auftraggeber laufen zu lassen. Eine weitere Alternative ist das Auslagern der Daten in die Cloud, wobei ebenfalls auf die Vereinbarkeit des Anbieters mit den aktuellen Datenschutzregeln geachtet werden muss.

    Gegenüber dem Endkonsumenten birgt die DSGVO die Chance, Vertrauen aufzubauen. Allerdings schrecken viele User zurück, sobald sie den sperrigen juristischen Text sehen, der sie über die Verwendung ihrer Daten aufklären soll. Damit die Maßnahme also nicht am Ziel vorbeischießt, empfiehlt Stepke, den Text zwischen Juristen und professionellen Textern gegenlesen zu lassen – denn natürlich muss die Erklärung juristisch einwandfrei sein, es spricht aber auch nichts gegen eine nutzerfreundliche sprachliche Formulierung.

    Und schließlich birgt die DSGVO laut Stepke die Chance, Know-how bei allen Beteiligten aufzubauen. Denn vielerorts werden Analysen nicht als Verbesserungsvorschlag gesehen, sondern als Kritik am Status quo; wer sich gerne mit Daten auseinandersetzt, gilt als Nerd. „Wer sich aber die Arbeit macht, sich intensiv mit seinen Daten zu beschäftigen, der hat die besseren Kampagnen“, sagt Stepke.

    Relativ undramatisch sieht Stepke letztenendes auch die kommende ­e-Privacy-Verordnung, die sich derzeit noch in Arbeit befindet und aller Voraussicht nach die Nutzung von Cookies strenger regeln wird. Hier gilt es, die finale Version der Regeln abzuwarten. Stepke: „Wer die ­DSGVO ernst nimmt, der ist aber bereits gut vorbereitet auf das, was kommen wird.“

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    Kommentare

    1 Postings

    • Manuel Schmöllerl
      Einer der ersten Artikel, in dem einer aus der Werbebranche positiv zur DSGVO steht. Respekt.
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