Datenschutz: Noch viele offene Fragen

    Ab Mai 2018 gelten neue Regeln für den Datenschutz in ganz Europa. Zwei Experten erläutern die Herausforderungen für die Branche.

    Der Countdown läuft: Ab 25. Mai 2018 gilt die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die gemeinsam mit der E-Privacy-Verordnung den Umgang von Unternehmen mit den Daten ihrer Kunden regeln wird – wer sich nicht an diese Vorgaben hält, der muss mit empfindlich hohen Strafen rechnen: Bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des globalen Umsatzes werden bei Vergehen fällig. Betroffen sind Betriebe aus allen möglichen Wirtschaftszweigen – unter anderem aus der Kommunikationsbranche.

    Als Antwort auf das gestiegene Informationsbedürfnis der Entscheider in Datenschutzfragen hat die IAA am Dienstag ihr Business Communication Lunch im Hotel Bristol diesem brisanten Thema gewidmet. Unter der Moderation von HORIZONT-Chefredakteurin Marlene Auer diskutierten Gerald Ganzger, Rechtsanwalt und Partner bei Lansky, Ganzger + Partner, und Christopher Sima, Geschäftsführer von United Internet Media Austria, über die kommenden Herausforderungen.

    „Die DSGVO und die E-Privacy-Verordnung greifen massiv in die Erlösmodelle ein“, sagt Sima – und Ganzger bestätigt, dass ein Mehraufwand entstehe, den sich kleine Unternehmen nur schwer leisten können. Laut Sima entstehe nun womöglich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, bei der es sich nur große Boulevardmedien leisten könnten, Inhalte über gezielte Werbemaßnahmen zu monetarisieren – kleinere Anbieter müssten auf andere Erlösmodelle, etwa Paid Content, umsteigen. Neben der Medienbranche trifft das Thema laut Ganzger aber auch zum Beispiel Hotels, welche zur Verbesserung des Serviceangebots Profile ihrer Gäste erstellen und Sicherheitskameras betreiben.

    Unklarheiten und offene Punkte

    Dabei bringt die Zukunft des europäischen Datenschutzes noch viele Fragezeichen mit sich – erstens durch die E-Privacy-Verordnung, die derzeit noch bei den EU-Institutionen in Arbeit ist; zweitens durch jene 69 sogenannten Öffnungsklauseln, die den Nationalstaaten in einzelnen Punkten Adaptionen der DSGVO erlauben.

    Und dann wären da noch die technischen Detailfragen. So erwähnt Sima etwa, dass Unternehmen künftig verpflichtet sind, den Nutzern zumindest eine Basisversion ihres Dienstes zur Verfügung zu stellen, auch wenn diese der Verwendung ihrer Daten nicht zustimmen. Für United Internet Media, welches unter anderem den Freemail-Dienst Gmx betreibt, wirkt dies nicht sonderlich praktikabel: „Soll ‚Basisversion‘ bei einem E-Mail-Dienst etwa heißen, dass der User Mails nur noch lesen, aber nicht mehr verschicken kann?“, fragt Sima. Klar sei: Ohne die Verwendung der Daten, entsprechendes Profiling und Targeting, bestehe die Gefahr, dass ein Portal von einer ursprünglich intelligenten zu einer dummen Werbefläche verkomme.

    Ganzger wiederum betont, dass zum Beispiel nicht klar definiert sei, ob unter Profiling auch die Einteilung der User in Sinus-Milieus falle. In jedem Fall zeichne sich aber ab, dass Unternehmen künftig mehr dokumentieren müssen: „Auch im digitalen Business wird es mehr Papier geben als je zuvor“, sagt er.

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