Tirolissimo 2012 - Bewegung in der Tiroler Werbeszene

Fachgruppen-Obmann Thomas Jank nimmt zur Kritik am neuen Tirolissimo Stellung und informiert über Branchenthemen.

HORIZONT: Wie läuft es im Ausschuss der Fachgruppe, es gab ja zum Tirolissimo viel Kritik?

Jank: Der Tirolissimo wurde 2011 ausgesetzt. Im ausgesetzten Jahr haben wir als „Ersatz“ eine sehr erfolgreiche Tirolissimo-Tagung mit drei hochkarätigen Referenten, Dietmar Dahmen und , Jochen Thinius, Matthias Schmidt, scholz & friends und Sebastian Loudon als Moderator vor 300 Gästen abgehalten. Kritik ist aber ein Muss, sofern Respekt geboten ist. Ich sehe das so wie im täglichen Geschäft: Möge sich die beste Idee durchsetzen. Dafür haben wir 17 selbstständige Persönlichkeiten im Ausschuss. Wenn jemand aus Kalkül oder Fraktionsdenken entscheidet ist das seine Sache - ich tu es nicht. '

HORIZONT:
Und doch gab es einige Themen, die der ARGE Tirolissimo mit Bernhard Müssiggang, Thomas Pupp und Karl Zimmermann und Ihnen vorgehalten wurden: Eine Teilnahmebeschränkung war angedacht, unter anderem weil von Impalawolfmitbiss, Ihrer Agentur, sehr viele Einreichungen und auch Nominierungen kamen - heuer sind es 15 Nominierungen und vier Preise, die Sie mit nach Hause nehmen. Da entstand für manche eine schiefe Optik.

Jank: Hier wird's absurd - so ein Schwachsinn! Wir suchen die besten Arbeiten des Landes und sollen dabei Agenturen beschränken? Wie blöd wäre das denn? Das würde bedeuten: wenn wir zum Beispiel auf drei Arbeiten pro Einreicher beschränken kann ein Tonstudio nur drei Spots einreichen? Und wenn eine größere Agentur zehn Anzeigen einreichen will, soll sie das doch tun. Wenn es eine kleine Agentur gibt die nur eine, aber bessere Anzeige einreicht, gewinnt diese dann trotzdem. Qualität schlägt Quantität. Heuer haben wir den besten Beweis. Es gibt die eine oder andere Kategorie, wo nur ein Teilnehmer eine Arbeit eingereicht hat und diese gewinnt! Aber klar, es gibt Leute, die versuchen, ein Giesskannen-Prinzip einzuführen - aber ohne mich - und bis dato ohne die Mehrheit des Ausschusses.

HORIZONT: Und im Hinblick auf ein Budget, das sich die ARGE für die Organisation des Awards ausgezahlt hat gab es ebenso Kritik ...

Jank: Das Budget, das sich die ARGE Tirolissimo ausbezahlt ist pro Kopf 10.000 Euro, sprich 30.000 in Summe. Sorry, für einen Event dieser Größenordnung ist das ein Auftrag, den niemand des Geldes wegen annimmt.

HORIZONT: Welche Einreichungen zum neuen Tirolissimo heuer haben Sie besonders beeindruckt?

Thomas Jank:
Ich kann hier nur die Jury zitieren, laut derer gerade im Film einige sehr gute Arbeiten dabei waren, aber auch Online und in einigen klassischen Bereichen war die Jury angetan.

HORIZONT:
Heuer ist die Kronen Zeitung als Sponsor ausgefallen ...

Jank: Die Tiroler Tageszeitung als Hauptpartner ist auch heuer dabei. Jedoch hat aufgrund des letzten Tirolissimos durch das Hochlizitieren der Hauptsponsoren und damalige Mängel im Catering die Kronen Zeitung als zweiter Hauptsponsor ihr Sponsoring für 2012 abgesagt. Damit ist natürlich ein großer Brocken weggefallen. Die Chancen stehen aber gut, dass Sie nächsten Jahr wieder dabei sind. Selbst wenn nicht ist der Tirolissimo mit rund 700 Gästen auf hohem Niveau durchführbar bei einem Budget von rund 130.000 Euro.

HORIZONT: Das heißt ...

Jank:
Der Tirolissimo ist der bei weitem stärkste und größte Event in der Werbe-Szene - und wie man sieht bewegt er was ... inklusive ein paar Gemüter. 2012 besteht er aus einem großen Event, 388 Einreichungen, 12 namhaften und unabhängigen Juroren, vielen sehr guten Arbeiten, Kategorien wo weniger eingereicht und auch nicht prämiert wurde, beständigen Gewinnern, überraschenden Newcomer, weit mehr guten „Verlierern“, wenigen schlechten „Verlierern“ und Debatten, die drei bis vier Personen anheizen (wollen). Die Zeit, die ich für die FG-Obmannschaft aufwenden kann, will ich mit intelligenten und kreativen Leuten bestreiten. Aber auf der Welt gibt es eben Sunrise-People und Sunset-People - bei den einen geht die Sonne auf, bei den anderen immer unter.

HORIZONT: Welche Themen bewegen die Kreativwirtschaft in Tirol generell?

Jank:
Wir haben für die nächsten Jahre das Thema Ausbildung im Visier: wir wollen ein gutes Netzwerk zwischen vorhandenen Bildungseinrichtungen herstellen und gemeinsam sondieren, was in Tirol fehlt beziehungsweise im Vergleich mit den Nachbarländern auch ein reelle Chance hat. Da gibt es schon Gespräche und auch Konzepte von Partnern, die wir als Fachgruppe unterstützen. Darüber hinaus wollen wir unser Seminar-Angebot „Think Train“ weiter ausbauen. Hier haben wir bereits in den letzten Jahren sehr gute und stets ausgebuchte Seminare und Vorträge mit nationalen und internationalen Experten durchgeführt. Hier können wir auch gut auf die Wünsche unserer Mitglieder eingehen. Und wir wollen natürlich die Ideenkultur und den Wert der Idee kommunizieren - da sind wir ganz auf der nationalen Linie aller Kommunikations-Institutionen und sagen: Kommunikation ist keine Ausgabe sondern eine Investition.

HORIZONT:
Welche Besonderheiten weist der Standort Tirol auf?

Jank: Unsere Wirtschaft ist bis auf Ausnahmen eher klein strukturiert, daher haben wir natürlich nicht die großen Mediabudgets: Unsere Agenturen müssen auf die Entwicklung von guten Ideen setzen. Gute Ideen kann auch ein einzelner haben. Zudem fehlen in Tirol maßgebliche Ausbildungsstätten - hier muss weiter und visionär gedacht werden. Wenn die Jungen nach Wien, Salzburg und Vorarlberg gehen, muss man kritisch sein, sich fragen, was machen wir falsch, wie können wir gegensteuern?

HORIZONT:
Wie entwickelt sich die Agenturszene aus Ihrer Sicht?

Jank: Ich denke trotz hartem Kampf derzeit gut. Es gibt in Tirol sicher Agenturen, Grafikbüros und kreative Hot-Shops, die sich mit allen anderen in Österreich messen können. Vor allem auch im Online-Bereich. Wir haben viele Einzelkämpfer für die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine große Rolle spielen. Der erhöhte Leistungs- und Zeitdruck macht besonders zu schaffen. Hier sehe ich als vorrangige Lösung eine bessere Vernetzung und Kooperationen in Form von CoWorking Spaces, Plattformen und dergleichen.

HORIZONT:
Was konnte die Fachgruppe bisher an Zielen erreichen?

Jank:
Wie gesagt: der Tirolissimo mit kreativer Öffnung, statt Kasernierung, mit qualitativer Ausrichtung statt jedem seinen Preis. Think Train mit guten Seminaren, bessere Vernetzung der Kreativszene im Land und engere Partnerschaften wie zum Beispiel mit Weissraum. Obschon Kommunikation und Werbung immer sichtbar sind, stehen die Akteure dahinter eher im Schatten der Wirtschaft. ... Werbung - laut einer deutschen Studie - hat noch immer die unattraktivsten Jobs. Aber es gibt natürlich viele Junge, die kreativ arbeiten wollen - die Werbung bietet noch immer ein abwechslungsreiches Feld an - man arbeitet immer wieder für andere Kunden und man macht in relativ kurzen Intervallen das, was alle brauchen: strategisch analysieren und kreativ umsetzen.

HORIZONT: Thema Weiterbildung und Förderung der Ideenkultur - wie läuft Think Train?

Jank: Hier wollen wir das Angebot weiter ausbauen und haben bereits in den letzten Jahren sehr gute und stets ausgebuchte Seminare und Vorträge mit nationalen und internationalen Experten durchgeführt. Wir haben offene Veranstaltungen zu Themen wie Strategie oder Wert der Idee - da kamen jeweils rund 100 Leute, der Saal war voll besetzt. Grafik Konzeption haben wir zweimal aufgelegt und Text ebenso. Die Veranstaltungen erhalten sehr gute Bewertungen. Die Referenten kommen bis dato aus Österreich und Deutschland sind alle national und international erprobt.

[Birgit Schaller]

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