ÖBB-Advertorials im Wandel der Zeit

Die Vorwürfe gegen Faymann bleiben Thema - Advertorials waren laut ÖBB-Stellungnahme früher jedenfalls „Teil der Kommunikationsstrategie“ - mit Bildergalerie

Bundeskanzler Werner Faymann (S) kommt wegen seiner Advertorials in der „Kronen Zeitung“ aus seiner Zeit als Verkehrsminister weiter nicht aus der öffentlichen Kritik. Zuletzt betonte er bei den ORF-Sommergesprächen, er rechne nicht mit einer tatsächlichen Anklage in dieser Sache. Inserate schalten sei „nicht verboten“ und eine Anklage „kompletter Unsinn“, erklärte Faymann selbstbewusst.

Zumindest in der Frage der berühmten ÖBB-Advertorials in der „Kronen Zeitung“, aus denen der damalige Verkehrsminister in den Jahren 2007 und 2008 regelmäßig lachte und Fragen der Passagiere beantwortete, scheint sich eine Klärung in seinem Sinne abzuzeichnen: Die Oberstaatsanwaltschaft hatte zwar im April weitere Ermittlungen gegen Faymann wegen des Verdachts der Untreue angeordnet, zwei danach eingegangene Gutachten entlasteten den heutigen Regierungschef jedoch.

ÖBB: Advertorials teil der Kommunikationsstrategie

Einen weiteren Aspekt zur Entlastung Faymanns lieferten die ÖBB selbst: In einer Stellungnahme zum Rechnungshofbericht, die im Mai übermittelt wurde und HORIZONT online vorliegt, verweist die Bahn darauf, dass die Schaltung von Advertorials ein „Teil der damaligen, vom Unternehmen selbst gewollten, Kommunikationsstrategie war“. Allein in den Tageszeitungen „Heute“ und „Österreich“ seien 2007 und 2008 vom damaligen Management 112 Promotion-Seiten gekauft worden. 24 Seiten waren dagegen mit des Kanzlers Antlitz in der „Krone“ eingebucht worden. „Die Advertorial-Serie mit dem Verkehrsminister als Eigentümervertreter bezweckte einen Imagegewinn der ÖBB und eine Stärkung der Identifikation der Kunden mit der ÖBB und war daher im Interesse des Unternehmens“, argumentierte die Bahn rückblickend gegenüber dem RH. Dieser betonte in seinem Abschlussbericht dennoch, dass die Anzeigen „reihenweise den Eindruck einer Imagekampagne des BMVIT und des Bundesministers/der Bundesministerin“ erwecken würden. 

Kramt man in den Archiven, so zeigt sich, dass die Advertorials in „Österreich“ und „Heute“ auch das damalige Management Martin Huber, Erich Söllinger und Stefan Wehinger zeigen (siehe Bildergalerie). Diese hätten „selbst hat diese Form der Kommunikation genutzt, um persönlich über direkte Kundenansprache Probleme und Lösungen aufzugreifen“, argumentierten die ÖBB gegenüber dem Rechnungshof.

Ein endgültiges Fazit aus rechtsstaatlicher Sicht steht bis dato aus: Gerichtsanhängig ist die Causa weiterhin. Parallel sind neue Vorwürfe gegen Faymann zu Inseraten auf Kosten der ebenfalls dem Verkehrsministerium unterstellten Asfinag bekannt geworden. Auch im Korruptions-Untersuchungsausschuss soll die Affäre noch behandelt werden.

[Philipp Wilhelmer]

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