Google ist Geldgeber von AdBlock Plus

Der Konzern ist eine jener Firmen, die sich nach HORIZONT online-Recherchen als einer der zahlenden Partner des umstrittenen Werbeblockers herausgestellt hat. Google ist nicht die einzige Firma. Wie genau es zu der Aufnahme von Google AdWords in die „Acceptable Ads“ kam, ist weiter nicht klar

Eigentlich wollen sie gegen nervige Werbung im Internet antreten, stattdessen stehen sie jetzt selbst im Kreuzfeuer: Der Werbe-Blocker AdBlock Plus, den sich Internetnutzer kostenlos in ihren Browser integrieren können, ist seit etwa einer Woche Gegenstand einer heftigen Diskussion um Anzeigen im Internet. Der deutsche Blogger Sascha Pallenberg hat aufgezeigt, dass Firmen, deren Werbung von der Blockade durch AdBlock Plus ausgenommen wird (so genannte “Acceptable Ads”, also “akzeptable Anzeigen), gleichzeitig finanzielle Partner der Betreiberfirma Eyeo GmbH von Geschäftsführer Till Faida sind.

Auf Nachfrage von HORIZONT online wollte Faida nicht bekannt geben, wer diese Firmen sind. Er sagte lediglich: “Es geht im Grunde darum, dass sehr große Websites, die damit ihre Einnahmen steigern, ein Interesse daran haben, dass die Initiative nachhaltig betrieben wird. Das können Sie aber auch auf unserer Website nachlesen.”

„Von einigen größeren Partnern bezahlt“

Wie Recherchen von HORIZONT online jetzt ergeben haben, ist der Internet-Konzern Google einer der Geldgeber von AdBlock Plus. Öffentlich aussprechen will es kein Firmenvertreter, doch man verweist auf folgenden Passus aus den Vereinbarungen zu den Acceptable Ads:

“Whitelisting ist für kleinere Webseiten und Blogs kostenfrei. Jedoch fordert die Betreuung dieser Listen erheblichen Aufwand unsererseits und diese Aufgabe kann nicht vollständig von Freiwilligen übernommen werden, wie es bei den gemeinsamen Filterlisten der Fall ist. Daher werden wir von einigen größeren Parteien bezahlt, die unaufdringliche Werbung unterstützen, welche an der Initiative für Akzeptable Werbung teilnehmen möchten.” (Hervorhebung durch den Autor, Anm.)

Google ist nicht die einzige Firma

Wie viel Geld Google an die Eyeo GmbH zahlt, konnte bis dato nicht in Erfahrung gebracht werden. Jedenfalls: „Adblock Plus hat angekündigt, dass Suchmaschinen-Anzeigen und gesponserte Ergebnisse bei Google und auf AdSense-Such-Partner-Webseiten für die “Acceptable Ads„-Liste geeignet sind. Diese Liste umfasst bereits eine Reihe von AdSense-Such-Partnern, sowie Anzeigen auf Amazon, Reddit und Yandex“, verweist ein Google-Sprecher gegenüber HORIZONT online auch auf andere Internet-Firmen.

Dass Google-Werbung bereits durch die AdBlock-Filter darf, kann man einfach nachprüfen. Wer AdBlock Plus installiert und die Google-Suche (z.B. nach “Auto”) verwendet, bekommt trotz aktivem Werbe-Blocker Googles AdWords-Anzeigen auf den Bildschirm geliefert. Bei konkurrierenden Suchmaschinen wie Bing von Microsoft oder bei Yahoo greift der Blocker nach wie vor - andere Suchmaschinen wie Yandex, Blekko oder Startpage sind bereits auf der Whitelist von AdBlock Plus. Die Eyeo GmbH bewirbt ihre Software übrigens nach wie vor damit, unliebsame Web-Reklame in YouTube-Videos und auf Facebook auszublenden.

Fragwürdige Vorgänge im Freischaltungs-Forum

Wie die Aufnahme der Google-Werbung in die Acceptable Ads vonstatten ging, ist derweil ein wenig unklar. Eyeo-Chef Faida behauptete gegenüber HORIZONT online, dass Google sich selbst darum beworben hätte: “Google hat wie jeder andere auch die Suchanzeigen in das öffentliche Forum zur Freischaltung eingestellt.”

Doch wie ein Blick in das besagte Forum von AdBlock Plus zur Aufnahme von Google AdWords zeigt, finden sich dort ganze neun Einträge. Nutzer Till - wohl AdBlock-Plus-Chef Till Faida persönlich -  stellte den Beitrag am 18. Juni 2013 online, sechs anonyme Nutzer diskutierten kurz, was Google AdWords überhaupt genau seien, brachten keine Gründe vor, warum sie gegen die Acceptable Ads-Regeln verstoßen würden, und drei Tage später, am 21. Juni 2013, schrieb Nutzer Till “Added” in den Forums-Thread - die Google-Werbung wird seither nicht mehr von AdBlock Plus gefiltert. Ähnliches gilt für das AdSense-Werbe-Programm, in dem Drittseiten Werbung von Google in ihre Web-Angebote einbetten können und dafür entlohnt werden.

Blogger Pallenberg kritisiert die Vorgänge in diesem Forum scharf: “Die Eingaben in diesem Forum kommen zu 99 Prozent von AdBlock-Plus-Mitarbeitern. Bei der Abstimmung über Reddit, wo angeblich 11.000 Leute mitgeschaut haben, sind lediglich 32 Kommentare drinnen, und selbst da stammt der Großteil von AdBlock-Plus-Mitarbeitern. Da hat ja jedes Überraschungsei-Mini-Forum mehr Traffic.”

“Wahnsinnige Marktmacht”

Google liegt mit einem Börsenwert von 292 Milliarden Dollar derzeit an dritter Stelle der wertvollsten Firmen der Welt - hinter Exxon und Apple, wie aus einer Auswertung der Unternehmensberatung Ernst & Young hervorgeht. Während diese beiden Unternehmen das Gros ihres Umsatzes mit Öl bzw. iPhones und iPad machen, ist es bei Google die Online-Werbung. 2012 machte der Internet-Konzern 43,7 Milliarden US-Dollar Umsatz im Bereich der Online-Werbung. Wie aus den Finanzahlen von Google hervorgeht, stammten 2012 68 Prozent des Umsatzes von Google-Webseiten, 27 Prozent aus den so genannten “Google Network Members’ Websites”, und fünf Prozent aus anderen Quellen.

„AdBlock Plus hat im deutschsprachigen Raum mehr als zehn Millionen User“, sagt der Blogger Sascha Pallenberg, der die Geschichte mit einer Story auf MobileGeeks.de ins Rollen brachte, im Interview mit HORIZONT online, und weiter: „Wer da kontrollieren kann, welche Werbung durchkommt und welche nicht, hat eine wahnsinnige Marketing-Macht. Und mal ehrlich: Diese Investoren stecken ihr Geld doch nicht in ein gemeinnütziges Open-Source-Projekt, wo hinten nichts rauskommt.” Er empfiehlt Nutzern, die Werbung im Netz weiter blocken wollen, auf die Alternativen AdBlock Edge und AdBlock umzusteigen.

[Jakob Steinschaden]

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Kommentare

Kommentar eingeben 6 Postings

  • Cyberus Yamato
    Wenn ich schon abstimme bei dem "poll" oder dem "Voting" oder whatever...

    Dann bringt mich doch bitte direkt zu dem Ergebnis, statt nur die Seite neu zu laden.
  • Manfred Guttler
    Da man ABP individuell anpassen kann und u.a. auch die nicht aufdringliche Werbung deaktivieren kann, ist die Umfrage unvollständig.
    „Wer da kontrollieren kann, welche Werbung durchkommt und welche nicht, hat eine wahnsinnige Marketing-Macht." - Diese Macht hat immer noch uneingeschränkt der User mit ABP. Aus der Whitelist ist ersichtlich, welche Werbung als akzeptabel definiert wurde. Die Liste kann aber jederzeit vom Nutzer geändert werden und auch komplett ausgeschaltet werden.
    Wenn dies nicht so wäre, dann würden die Leute wechseln. Niemand ist gezwungen ABP zu nutzen. Die hohe Anzahl an Nutzern kommt ja nicht von ungefähr.
    Wer etwas Ruhe und auch Sicherheit haben möchte, der nutzt halt Helfer wie Adblock Plus, NoScript, Ghostery und Co.
  • AdMan AdMann
    Kein Problem, viele von uns benutzen Ghostery dazu :)
  • Georg Simmel
    Wo ist die Abstimmoption, dass man Adblock Plus verwender aber einfach auch nicht die akzeptablen Ads zulässt? So mache ich es jetzt. Und wenn mir eine Seite gefällt, dann nehme ich so komplett aus dem Filter raus.
  • Almedin Candic
    Dass ein Werbeunternehmen (Google) sich für akzeptierte Ads einsetzt und eine Initiative wie den Adblock Plus Blocker finanziell unterstützt, ist doch mehr als naheliegend. Dass sie bisher versucht haben, diese Tatsache eher weniger in den Vordergrund zu hieven, ebenso, denn in Zeiten von nervösen selbsternannten Datenschützern würde das Vorhaben unnötig unter Beschuss geraten.
  • Daniel Hauser
    Google ist mit ihren Anzeigen doch sehr benutzerfreundlich. Als schlechte Gegenbeispiele muss man nur mal die Anzeigen auf Webseiten der diversen (deutschen) Zeitungen und Zeitschriften betrachten.

    Was Google's Schritt betrifft, für die AdBlock-Freigabe zu bezahlen denke ich, dass es sich darum hauptsächlich um einen möglichst hohen Marktanteil dreht. Selbst wenn das ein Nullsummengeschäft für das Unternehmen ist, so erreicht man damit einige Millionen zusätzlicher Nutzer, was wiederum für Werbetreibende von Interesse sein dürfte!

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