Berlusconis Mediaset will TV-Sender La7 kaufen

Debatte um Medienpluralismus in Italien

Der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi will sein Medienimperium weiter ausbauen. Seine Mediengesellschaft Mediaset hat eine Interessenerklärung für die Übernahme des italienischen TV-Kanals „La 7“ eingereicht. Der Kanal gehört der Gruppe Telecom Italia Media, einer TV-Tochter des italienischen Telekomkonzerns Telecom Italia. Dieser trennt sich von seinen Medienaktivitäten, um seine Schulden weiter abzubauen, die ca. 30 Mrd. Euro betragen. Neben „La 7“ werden auch der Musikkanal „Mtv Italia“, sowie Infrastrukturen für digital-terrestrisches Fernsehen verkauft.

Berlusconis Mediaset hat den Advisors von Telecom Italia, Mediobanca und Citigroup, eine unverbindliche Interessenerklärung für „La 7“ eingereicht. Weitere Interessenten sind die Turiner Verlagsgruppe Cairo, sowie der TV-Sender Discovery Channel. Für die von Telecom Italia verkauften TV-Infrastrukturen haben die von Mediaset kontrollierte Gesellschaft Ei Towers, sowie der spanische Konzern Abertis und andere im Infrastrukturenbereich spezialisierte Fonds Interesse gemeldet.

Berlusconis Interessenerklärung für La7 löste prompt Empörung in Italien aus. „Mediasets Angebot für La7 widerspricht den Kartellregeln, die sowohl in Italien, als auch in ganz Europa gelten. In Italien ist der Medienpluralismus ernsthaft gefährdet“, warnte der Ex-Telekommunikationsminister Paolo Gentiloni.

Der Berlusconi-kritische Starjournalist Enrico Mentana, der in den vergangenen Jahren auf entscheidende Weise zum wachsenden Erfolg der Berichterstattung von „La 7“ beigetragen hatte, drohte mit seinem Rücktritt, sollte Mediaset den Kanal übernehmen. Die italienische Journalistengewerkschaft FNSI rief die Regierung Monti dazu auf, neue Regeln zum Schutz des Medienpluralismus in Italien zu ergreifen.

Mediasets Aufsichtsratsmitglied Michele Perini verteidigte die Strategie des Berlusconi-Konzerns. „In Italien und in Europa werden Unternehmern zu viele Hürden auferlegt. Sie können nicht mehr arbeiten“, protestierte der Unternehmer.

(APA)

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