„Vorarlbergs Kreative leisten hervorragende Qualitätsarbeit“
Der Stellvertreter Fachgruppen Obmann und Spartenobmann für Information & Consulting in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Dieter Bitschnau, im Horizont-Interview
HORIZONT: Wie hat sich die Werbewirtschaft in Vorarlberg die letzten Jahre über entwickelt? Wo steht sie heute - im Vergleich zu vor zehn Jahren?
Dieter Bitschnau: Die Vorarlberger Kommunikationsbranche konnte in den vergangenen Jahren ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen. Natürlich hat die Wirtschaftskrise auch unsere Branche getroffen, da dadurch die Nachfrage an Kommunikationsdienstleistungen bei den stark exportorientierten „Ländle Unternehmen“ zurück gegangen ist. Dies konnte allerdings durch ein breit diversifiziertes Kundenportfolio ausgeglichen werden. Es zeigt sich zudem, dass die strategische Kommunikation eine wichtigere Rolle spielt - der Kommunikationsdienstleister wird zunehmend zum Berater. Die Agenturen übernehmen dabei immer mehr die Funktion des Koordinators und holen die jeweiligen Kommunikationsspezialisten mit ins Projektteam. Eine Win-Win-Situation, die durch diese neuen Netzwerke entsteht.
HORIZONT: Welchen Herausforderungen begegnet diese Branche?
Bitschnau: Eine große Herausforderung, mit welcher wir aber nicht nur in Vorarlberg zu kämpfen haben, sind die unzähligen Gratis-Wettbewerbspräsentationen, bei denen Kreativität und Know-how oft zum Null-Tarif abgerufen werden. Das gilt es klar abzustellen. Ein Fokus der Fachgruppen-Arbeit liegt daher auf der Bewusstseinsbildung auf Kundenseite. Wir müssen den Wert unserer Kommunikationsexpertise besser darstellen - nach dem Motto: „Was nichts kostet, ist auch nichts wert“.
HORIZONT: Wie ist es um die Lage der Kreativen in Vorarlberg bestellt?
Bitschnau: Vorarlberg ist ein fruchtbarer Boden für Kreative. Nicht nur weil deren Leistungen stark nachgefragt werden, sondern sich auch viele unterschiedliche Plattformen gegründet haben - mit dem Angebot, sich weiterzubilden, mit Branchenkollegen auszutauschen und Kooperationen aufzubauen. Dabei arbeiten auch die relevanten Akteure wie beispielsweise Wirtschaftskammer Vorarlberg, design austria, PRVA oder VLOW! zusammen, um ihre Angebote bestmöglichst auf die Wünsche der Kommunikationsschaffenden abzustimmen. Das Angebot reicht von Seminaren für Grafiker und Texter über Designausstellungen und „Pecha Kucha Nights“ bis hin zu internationalen Kongressen im interdisziplinären Spannungsfeld von Design, Architektur und Kommunikation.
HORIZONT: Die Wiener Fachgruppe ist mit knapp über 7.000 Mitgliedsbetrieben die stärkste in Österreich. Wie viele Mitglieder zählen Sie aktuell in Vorarlberg und wohin geht diese Entwicklung?
Bitschnau: Die Vorarlberger Fachgruppe zählt aktuell rund 800 aktive Mitglieder. Der Großteil davon sind den Gewerbeberechtigungen Werbeagentur und Werbegrafik-Designer zuzuordnen. Die Entwicklung ist in den letzten Jahren steigend, die Mitgliederanzahl wachsend und die Kreativwirtschaft in Vorarlberg entwickelt sich in eine interessante vielseitige Zukunft.
HORIZONT: Wichtigstes Projekt der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation war im Jahr 2011 der AdWin. Und 2012? Worauf blicken Sie positiv, als auch negativ zurück?
Bitschnau: Die Fachgruppe hat stark den Nutzen unserer Fachgruppen-Mitglieder in den klaren Mittelpunkt gestellt. Ein Produkt dieses Vorhabens ist die neue Fachgruppen-Website Kommunikation-vorarlberg.at. Hier wird die Vorarlberger Wirtschaft mit den Kommunikationsexperten im Land zusammengebracht. Auch die regionale k ist eine Maßnahme, die unseren Mitgliedern direkten Nutzen stiftet. Hier arbeiten wir intensiv weiter - Stichworte: Bildungs- oder Ausbildungskompass sowie Lehrlingsverbund in der Kreativwirtschaft Vorarlberg.
HORIZONT: Seit 2005 werden die besten Vorarlberger Kreativarbeiten mit dem AdWin ausgezeichnet. Warum hat sich die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer dazu entschieden den Preis nur alle zwei Jahre auszuschreiben?
Bitschnau: Weil wir wissen, wer wir sind. Vorarlbergs Kreative leisten hervorragende Qualitätsarbeit. Und das jedes Jahr. Aber in Zahlen sind wir nur so groß, dass es reicht alle zwei Jahre den Vorhang des AdWins zu heben.
HORIZONT: Welche Erwartungen haben Sie an den Preis 2013?
Bitschnau: Es geht uns wie gesagt um Qualität. Wir hoffen dass wir das hohe Niveau von 2011 bestätigen können. Zudem sollte die Einreichzahl von rund 220 Arbeiten gehalten werden - das wäre wirtschaftlich wichtig. Zudem gibt es eine besondere Neuerung beim AdWin 2013 - es gibt in Kooperation mit der FG der Fotografen die passende Kategorie, die als Sonderpreis „Fotografie“ vergeben wird. Aber die Details werden wir demnächst lüften.
HORIZONT: Was steht hinter der regionale k.?
Bitschnau: Ziel ist, herausragende Kollegen der Bodenseeregion zu besuchen, die zwischen den Disziplinen Kommunikation, Design und Architektur gestalten. Uns interessieren vor allem deren Haltungen, Strategien, Entwicklungsprozesse und Erfahrungen. Neben professioneller Neugier, der Freude am fachlichen und persönlichen Austausch sind die Besuche auch eine Recherche nach spezifischem Know-how möglicher Kooperationspartner. Die „regionale k.“ dient der grenzüberschreitenden Vernetzung und dem Aufbau einer Plattform für Zusammenarbeit im Vierländereck Österreich, Deutschland, Schweiz und Liechtenstein. Die jährlich rund vier Begegnungen sind sorgfältig ausgewählte, vorbereitete und moderierte Dialoge zwischen uns und unseren Gastgeberinnen und Gastgebern.
[Sophie Degenfeld]






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