Wege aus dem digitalen Fegefeuer

Medienprofessorin Miriam Meckel zieht Dantes „Göttliche Komödie“ als Schablone heran für ein gutes Leben in der digitalen Zeitenwende.

Volles Haus in der Wiener Akademie der Wissenschaften am Montag Abend, ein voller Salon Landtman beim anschließenden gestrigen Diskurs-Brunch. Die deutsche Autorin Miriam Meckel, Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen, ist ein prominentes Zugpferd, schließlich forscht sie über die Zukunft unserer Kommunikationswelt. Bei der 15. Hedy Lamarr-Lecture des Medienhaus Wien, gesponsert von der Telekom Austria Group, präsentierte sie eine interessante Analogie unseres digitalen Transformationsprozesses zu Dantes „Göttlicher Komödie“ und seinen Weg von der Hölle ins Paradies - eine Ableitung für ein gutes Leben im digitalen Zeitalter

Manche Menschen verheddern sich in den Netzwerken oder dem von diesen ausgehenden Druck, ständig neue Aufgaben – „Status-Updates“ genannt – erfüllen zu müssen. Oder sie nutzen das Eintauchen in digitale Räume als willkommenen Vorwand, um ursprüngliche Aufgaben des Lebens auf die lange Bank zu schieben – am Arbeitsplatz, im Studium, in der Liebe. Bisweilen sind sie sogar maßlos von ihrem digitalen Spiegelbild begeistert und verlieren gar den Sinn für die Realität im analogen Leben. „Wir sind naiv genug zu glauben, wir seien so gut wie wir uns im Facebook malen“, kommentierte die Kommunikationswissenschaftlerin den Status Quo des mitteleuropäischen Umgangs mit der digitalen Zeitenwende.

Sie zieht Dantes „Göttliche Komödie“ als Schablone heran, als Leitplanke: Bosheit, Hass, Jähzorn und Shitstorm, Dantes Bild des Gefräßigen und dessen heutige Entsprechung Big Data.

Beruhigendes Fazit des Vortrags: Auch auf Alumni des digitalen Fegefeuers warte nichts weniger als die ultimative, die totale Erhellung.

[Doris Raßhofer]

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